Politik | Ausland
20.06.2017

Syrien: Risiko eines direkten Konflikts USA-Russland wächst

Die Gefahr, dass Militärflugzeuge der USA und Russlands im Luftraum über Syrien bald direkt aneinander geraten, steigt nach den jüngsten Zwischenfällen stetig.

Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfjets durch die US-geführte Koaltition in Syrien droht Russland nun mit entsprechenden Antworten. Fremde Flugzeuge im Luftraum westlich des Euphrat werden ins Visier genommen, so die klare Ansage aus Moskau, wo man offenbar eine klare Aufteilung des Luftraums vornehmen will.

Eine Vereinbarung mit Washington was die Koordination der Einsätze im syrischen Luftraum betrifft, wurde von Moskau nach dem Abschuss ausgesetzt. Der Kreml hat sich am Dienstag nach dem Vorfall besorgt gezeigt. Das Vorgehen der US-geführten internationalen Koalition bereite „sehr große Sorgen“, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Dienstag in Moskau.

Drohnen-Abschuss

Verschärft wurden die Spannungen nunmehr durch den Abschuss einer offensichtlich iranischen Drohne in Syrien. Ein US-Kampfjet habe das Flugobjekt iranischer Bauart am Dienstag im Südosten des Landes abgeschossen, teilte die US-geführte Anti-IS-Koalition in einer Stellungnahme mit. Die bewaffnete Drohne des Typs Shaheed-129 UAV habe feindliche Absichten gezeigt und sei auf den Bündnis-Stützpunkt At Tanf zugeflogen, hieß es in der Mitteilung. Als sie ihren Kurs nicht änderte, habe ein F-15-Kampfflugzeug das Feuer eröffnet.

Der Iran kämpft im syrischen Bürgerkrieg an der Seite von Präsident Bashar al-Assad. Ähnliche Zwischenfälle nahe dem Militärstützpunkt gab es bereits in den vergangenen Wochen.

Bereits nach dem Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis durch amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper wurde eine Eskalation befürchtet, überraschenderweise fiel die russische Reaktion damals noch zurückhaltender aus.

Deutsche Linke fürchtet großen Krieg

Die Linke im deutschen Bundestag sieht bereits die Gefahr eines Weltkriegs. Das erklärte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Nach dem Abschuss einer syrischen Militärmaschine durch die USA sei die Gefahr eines Krieges zwischen den USA und Russland sehr real. Es gebe eine dramatische Eskalation, wie es sie seit der Kuba-Krise nicht mehr gegeben habe.

Aufeinandertreffen über der Ostsee

Auch an anderen Schauplätzen kommen sich die Luftstreitkräfte von Russland und den USA gefährlich nahe. Im Luftraum über der Ostsee näherten sich ein russisches Kampfflugzeug und ein Aufklärungsflugzeug der Amerikaner auf etwa 1,50 Meter, heißt es in US-Medienberichten.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Vorfall und gab dem US-Piloten die Schuld. Er habe sich provokativ verhalten und in Richtung des russischen Jets geschwenkt. Zuvor sei der US-Jet in Richtung der russischen Grenze geflogen. Zehn Minuten später sei ein zweiter US-Aufklärungsflieger abgefangen und begleitet worden.

Das US-Verteidigungsministerium betonte, der US-Jet habe sich im internationalen Luftraum befunden. "Der Pilot hat nichts unternommen, was einen Vorfall hätte bewirken können", sagte eine Pentagon-Sprecherin. Das russische Flugzeug habe sich auf so geringe Distanz genähert, dass die US-Luftwaffe das Ereignis als "unsicher" eingestuft habe.