2 bewaffnete syrische Rebellen vor einer zerstörten Stadt

© APA/AFP/NAZEER AL-KHATIB

Dabik
10/16/2016

Syrien: Rebellen erobern Propagandastadt des IS

Während die diplomatischen Bemühungen um die Syrien-Krise auf Hochtouren laufen, haben syrische Rebellen dem IS eine weitere Niederlage zugefügt.

Der IS verliert weiter an Boden. Mit Unterstützung der Türkei eroberten syrische Rebellen am Sonntag die symbolisch bedeutsame nördliche Stadt Dabik von den Jihadisten zurück.

In London stand indes ein Treffen von US-Außenminister John Kerry mit europäischen Kollegen an, nachdem es am Samstag in Lausanne Gespräche mit der russischen Seite gegeben hatte.

IS-Propagandaschrift nach der Stadt benannt

Dabik liegt in der syrischen Region Aleppo unweit der Grenze zur Türkei und ist militärisch weitgehend unbedeutend. Der Verlust der Stadt ist für die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) allerdings ein symbolischer Schlag: Nach einer islamischen Überlieferung wird in Dabik zum Ende aller Zeiten eine wichtige Schlacht zwischen den Muslimen und ihren Gegnern dort stattfinden; auch eine IS-Propagandazeitschrift ist nach Dabik benannt.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte übernahmen die Aufständischen am Sonntag unterstützt von türkischen Kampfjets und Artillerie die Kontrolle über die Stadt, die Jihadisten zogen sich zurück. Die Rebellengruppe Fastakim Union erklärte ebenfalls, sie habe nach Gefechten mit den IS-Kämpfern Dabik erobert. Auf Twitter veröffentlichte sie Bilder, die Kämpfer inmitten weißer Lastwagen zeigen, die ihre Waffen in die Luft recken. Im Hintergrund ist offenbar Dabik zu sehen.

"Der entscheidende Kampf findet erst statt"

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, Rebellen seien in der Stadt dabei, Sprengsätze zu entschärfen, die der IS dort deponiert habe. Noch vor einigen Tagen hatte der IS selbst den Vorstoß der Rebellen mit den Worten kommentiert, dies sei nur die "kleinere Schlacht um Dabik", der entscheidende Kampf finde erst noch statt.

Der IS hatte in einem raschen Feldzug im Sommer 2014 große Landesteile in Syrien und im Irak erobert und für das Gebiet ein Kalifat, einen streng islamischen Gottesstaat, ausgerufen. Durch den Einsatz einer internationalen Militärkoalition gegen den IS verlor die Miliz zuletzt aber stark an Boden. Nach Angaben von US-Experten verringerte sich das Gebiet des Kalifats von etwa 90.800 Quadratkilometern Anfang 2015 auf aktuell 68.300 Quadratkilometer.

Die USA und ihre Verbündeten unterstützen in Syrien die Rebellen, Russland die Führung in Damaskus unter Staatschef Bashar al-Assad. Am Samstag hatte es in Lausanne Syrien-Gespräche zwischen den USA, Russland und den wichtigsten Ländern der Krisenregion gegeben.

Dabei ging es um den Versuch, doch noch zu einer Waffenruhe zu kommen, ein konkretes Ergebnis gab es aber nicht. Sie hätten sich darauf geeinigt, "die Kontakte im Laufe der nächsten Tage fortzusetzen", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow lediglich.

Fortsetzung der Gespräche in London

Teilgenommen hatten in Lausanne unter anderem auch die Türkei, der Iran, Saudi-Arabien und der Irak sowie der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura. In London wollte sich Kerry am Sonntag mit seinen europäischen Kollegen treffen, darunter mit dem britischen Außenminister Boris Johnson und dem französischen Chefdiplomaten Jean-Marc Ayrault.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) telefonierte am Sonntag mit Kerry. Dabei ging es dem Auswärtigen Amt zufolge um die Ergebnisse von Lausanne und die weiteren nötigen Schritte. Trotz der "schwierigen Ausgangslage" müsse weiterhin auf eine neue humanitäre Kampfpause hingearbeitet werden, hieß es in Berlin.

Die Rebellenviertel in der umkämpften Stadt Aleppo standen unterdessen weiter unter Beschuss: Einem AFP-Korrespondenten vor Ort zufolge gab es seit Mitternacht nahezu ununterbrochen Luftangriffe auf den Ostteil. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ihrerseits von Raketenangriffen der Rebellen auf Bezirke, die von der Regierung gehalten werden. Dabei wurden demnach zwei Frauen getötet.

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