Syrien: Massaker an 28 Kindern

Vor einem Jahr haben die Proteste gegen Präsident Assad begonnen - Aktivisten melden Gräueltaten gegen Zivilisten.

Syriens Präsident Bashar al-Assad stützt sich in der Herrschaft des Landes auf mehrere Verwandte. Einige haben einflussreiche Posten und gelten als Vertraute des Machthabers. Maher al-Assad (Mitte): Der jüngere Bruder des Präsidenten befehligt Eliteeinheiten der Armee. Er gilt als aufbrausend und skrupellos und soll bei der blutigen Niederschlagung der Proteste das Kommando führen. Assef Schakwat: Der Ehemann von Bushra al-Assad, der einzigen Schwester des Präsidenten, machte Karriere im Geheimdienst und war Vize-Kommandant der Armee. Nach EU-Angaben war er inzwischen stellvertretender Stabschef für Sicherheit und Aufklärung - der "Mann fürs Grobe" kam 2012 bei einem Anschlag der Rebellen ums Leben. Rami Makhluf: Der Cousin des Machthabers ist ein einflussreicher Geschäftsmann und einer der reichsten Männer Syriens. Er unterstützt das Regime finanziell. Hafis Makhluf: Der Cousin hat eine führende Position in der Geheimdienstzentrale in Damaskus inne. Ihm wird eine Beteiligung am gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstranten vorgeworfen.
(Symbolbild) Dhu al-Himma Shalisch: Der Cousin leitet die Schutzeinheit des Präsidenten. Er soll sich am brutalen Vorgehen gegen die Demonstranten beteiligt haben.
(Symbolbild) Aktivisten haben aus Homs ein Massaker an Zivilsten gemeldet

In der syrischen Widerstandshochburg Homs haben die Truppen des Regimes laut Aktivisten 57 Menschen massakriert. Die Regimegegner zeigten am Montag Videoaufnahmen von getöteten Kindern und Frauen, die in dem Viertel Karam al-Seitun mit Messern getötet worden sein sollen.

Einige der Kinder seien erwürgt worden, hieß es. Die Leichen seien am Sonntagabend gefunden worden. Insgesamt starben den Angaben zufolge 28 Kinder, 23 Frauen und 6 Männer. Ein Arzt aus Homs, den der Nachrichtensender Al-Arabiya am Montag interviewte, berichtete außerdem von zahlreichen Vergewaltigungen.

Er sagte, es fehle an medizinischen Hilfsmitteln, um Dutzende Verletzte zu behandeln. Die syrische Opposition rief er auf, endlich mehr Einigkeit zu zeigen. Erst dann werde sich die internationale Gemeinschaft zu einem entschlossenen Vorgehen gegen die massiven Menschenrechtsverletzungen des Regimes von Präsident Bashar al-Assad durchringen, sagte er. Andernfalls drohe ein Völkermord wie einst in Ruanda.

Weitere 24 Zivilisten sollen nach Angaben der Opposition in der Nacht getötet worden sein, als sie versuchten, die Stadt Idlib zu verlassen.

Bisher 7500 Todesopfer

REUTERSDamaged cars are seen at the Inshaat district of Homs in this handout picture received March 9, 2012. REUTERS/Handout (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST TRANSPORT) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS Foto: REUTERS Homs, die Hochburg der Rebellen, ist weitgehend

Vor einem Jahr begannen nach den Umstürzen in Tunesien und Ägypten die Proteste gegen das syrische Regime von Präsident Bashar al-Assad. Bei der Niederschlagung der ersten Demonstrationen und folgenden Kämpfe starben laut UNO-Schätzungen bisher rund 7.500 Menschenleben. Hunderttausende befinden sich auf der Flucht.

Als Anlass des Ausbruches der Proteste in Syrien gilt unter anderem die Festnahme von 15 Kindern in der südlichen Stadt Daraa, die regimekritische Parolen an Wände geschrieben hatten. Bis dahin war es in Syrien - trotz weitreichender Unruhen in der Region, sowie im Nachbarland Jordanien - ruhig geblieben. Am Freitag, den 18. März, waren in der Hauptstadt Damaskus, in der späteren Protesthochburg Homs, in Aleppo, in Deir ez-Zor und in Daraa insgesamt mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen, um Freiheitsrechte und ein Ende der Korruption zu fordern. Die ersten Berichte über Todesopfer folgten. Daraufhin änderten sich die Parolen der Demonstrierenden: Sie forderten den Sturz des Regimes.

Mit Gewalt antwortete die syrische Führung auf die bis heute nicht enden wollenden Proteste: Nächtliche Razzien, Verhaftungswellen, die Errichtung von zahlreichen Checkpoints, die Abriegelung von Stadtteilen und ganzen Städten, sowie das Kappen von Stromleitungen und Telefonverbindungen standen fortan - bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt - an der Tagesordnung. Neben dem Einsatz des Sicherheitsdienstes und regimetreuen Schlägertrupps ("Shabiha"), wurden schwere militärische Geschütze aufgefahren. Als Antwort auf die Repressionen des Regimes wurde im Juli 2011 von Armeedeserteuren und Regimegegnern die "Freie Syrische Armee" gegründet.

(apa / ep) Erstellt am
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