Politik | Ausland
11.03.2018

Syrien: Armee isoliert größte Stadt in Ost-Ghouta

An einer anderen Front des Syrien-Kriegs rückten die türkische Armee und mit ihr verbündete syrische Kämpfer am Samstag weiter auf die nordwestliche Stadt Afrin vor.

Die syrische Armee hat am Sonntag ihre Offensive in der umkämpften Rebellenenklave Ost-Ghouta bei Damaskus fortgesetzt. Am Samstag trennte die Armee die größte Stadt der Enklave, Douma (Duma), von der übrigen Region ab, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien mitteilte.

Die türkische Armee und mit ihr verbündete syrische Kämpfer rückten unterdessen weiter auf die Stadt Afrin im Nordwesten Syriens vor.

Den Angaben der Beobachtungsstelle zufolge kontrollierten die syrischen Truppen am Samstag die Straße, die Douma mit Harasta im Westen und mit dem Ort Misraba im Süden verbindet. Den Truppen sei es somit gelungen, Ost-Ghouta in drei Teile aufzuspalten: Duma und seine Umgebung im Norden, Harasta im Westen sowie die übrigen Orte im Süden.

Angriffe aus der Luft und mit Artillerie

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete am Nachmittag aus Duma, die Stadt werde aus der Luft sowie mit Artillerie angegriffen. Die mit Trümmern übersäten Straßen seien menschenleer. Wegen der gefährlichen Sicherheitslage kämen Krankenwagen mit Verletzten nur mit Mühe an ihr Ziel.

Laut der Beobachtungsstelle, die den Rebellen nahesteht und ihre kaum nachprüfbaren Informationen von Aktivisten vor Ort bezieht, kontrolliert die Armee mittlerweile mehr als die Hälfte von Ost-Ghouta. Bewaffnete Islamisten und Jihadisten beschießen von dort aus Wohnviertel in Damaskus. Seit dem Beginn der Offensive syrischer Regierungstruppen auf Ost-Ghouta vor rund drei Wochen sind dort nach Angaben der Beobachtungsstelle 1.031 Zivilisten, darunter 219 Kinder, getötet worden.

Die humanitäre Lage in Ost-Ghouta ist seit langem katastrophal, es fehlt an Medikamenten, viele Kinder leiden Hunger. Am Freitag verließen 13 jihadistische Kämpfer und ihre Familien das Gebiet Ost-Ghouta in einem Bus. Es handelte sich um Mitglieder von Hajat Tahrir al-Sham (HTS). Das Bündnis wird vom ehemalige syrischen Al-Kaida-Ableger, der Al-Nusra-Front, beherrscht.

Türkische Armee rückt weiter vor

An einer anderen Front des Syrien-Kriegs rückten die türkische Armee und mit ihr verbündete syrische Kämpfer am Samstag weiter auf die nordwestliche Stadt Afrin vor. Wie die Beobachtungsstelle mitteilte, befanden sich die Verbände weniger als zwei Kilometer von Afrin entfernt, das seit 2012 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrolliert wird. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur AFP, im Nordosten der Stadt habe es "heftige Kämpfe mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss" gegeben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in einer in der südlichen Stadt Mersin gehaltenen und im Fernsehen übertragenen Rede, nach Afrin würden auch die Städte Manbij, Kobane, Tal Abyad (Tell Abyad), Ras al-Ain und Qamishli (Kamishli) "von Terroristen gesäubert". Die YPG hatten das von der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) eingenommene Kobane im Jänner in einer symbolträchtigen viermonatigen Schlacht zurückerobert.

Ankara bezeichnet die YPG als Terrororganisation, ebenso wie die mit ihr verbündete und in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) des inhaftierten Abdullah Öcalan. Die YPG sind mit den USA im Kampf gegen den IS verbündet. Deshalb sorgt Ankaras Offensive für Irritationen zwischen Washington und Ankara, die beide Partner in der NATO-Militärallianz sind.

Erdogan forderte die NATO in seiner Rede auf, seine am 20. Jänner gestartete Militäroffensive "Operation Olivenzweig" zu unterstützen. Die Türkei habe den Aufforderungen der Allianz zur Intervention in Afghanistan, Somalia und auf dem Balkan Folge geleistet. Jetzt sei die NATO in Syrien an der Reihe.