Politik | Ausland
14.12.2017

Südkorea und China nähern sich wieder an

Zwischen den beiden asiatischen Staaten war es in diesem Jahr zu heftigen Verstimmungen über ein Raketenabwehrsystem gekommen

Nach einem massiven Streit über ein in Südkorea stationiertes US-Raketenabwehrsystem wollen Peking und Seoul wieder enger kooperieren. "Ich glaube, dass Vertrauen nicht nur in einer Beziehung zwischen Menschen, sondern auch zwischen Ländern am wichtigsten ist", sagte Südkoreas Präsident Moon Jae-in am Donnerstag während eines Treffens mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, rief Moon zu einem "Neustart" auf der Basis von "Freundschaft und Vertrauen" auf. Xi Jinping sagte demnach, der Besuch von Moon würde helfen, die Beziehungen wieder zu festigen, nachdem sie einen Dämpfer erlitten hätten. Auch stimmten die beiden Präsident überein, dass im Nordkorea-Konflikt eine friedliche Lösung gefunden werden müsse.

Differenzen überwunden

Zwischen den asiatischen Staaten war es in diesem Jahr zu heftigen Verstimmungen gekommen, da China sich durch ein neues US-Raketenabwehrsystem in Südkorea bedroht fühlt. Das THAAD-System soll Südkorea besser vor möglichen Angriffen aus Nordkorea schützen. Peking aber kritisierte die Stationierung, weil das zu THAAD gehörende Radarsystem auch den Luftraum weit nach China hinein ausspionieren kann.

Trotz der Differenzen hatten sich Seoul und Peking Ende Oktober darauf geeinigt, den Austausch und die Zusammenarbeit in allen Bereichen wiederherzustellen. Peking teilte damals mit, Südkorea habe "versprochen", keine weiteren THAAD-Batterien zu installieren. Südkorea bestätigte dies nicht und sprach lediglich davon, das THAAD-System ausschließlich zum Schutz gegen Nordkorea einzusetzen.

Der Konflikt ist für Präsident Moon ein Drahtseilakt. Einerseits will er seine Schutzmacht USA nicht vor den Kopf stoßen, andererseits dürfen auch die Beziehungen zum wichtigsten Handelspartner China nicht dauerhaft geschädigt werden.

Nicht ohne Spannungen

Der THAAD-Streit ist auch ein Lehrstück dazu, wie entschlossen Peking vorgeht, um in der Region die eigenen Interessen zu verteidigen. Aus Protest gegen die Stationierung des Abwehrsystems hatte China die Beziehungen zu Südkorea zurückgefahren und massiv wirtschaftlichen Druck auf den Nachbarn ausgeübt.

Chinesischen Reiseagenturen war es verboten, organisierte Reisen nach Südkorea zu verkaufen, auch Charterflüge wurden gestrichen und sogar die in China so beliebten Kosmetika aus Südkorea passierten trotz Freihandelsabkommen nicht mehr den Zoll.

Die Zahl der chinesischen Touristen in Südkorea sank allein von März bis August um rund 60 Prozent. Besonders unter Druck geriet Südkoreas Handelskonzern Lotte, der es gewagt hatte, ein Gelände für die THAAD-Batterien der USA zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche Märkte des Konzerns mussten in China zeitweise schließen. Die offizielle Begründung: Brandschutz.

Auch Moons Besuch in Peking verlief nicht ohne Spannungen. Wie Yonhap berichtete, hinderten chinesische Sicherheitskräfte mitgereiste Journalisten aus Südkorea daran, ihren Präsidenten auf einer Handelsmesse in Peking zu folgen. Zwei Fotografen wurden demnach von mindestens einem Dutzend Sicherheitsleuten getreten und geschlagen. Einer musste ins Krakenhaus gebracht werden. China bedauere den Vorfall, teilte ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums mit.