Politik | Ausland
17.05.2017

Südkorea: Krieg mit Nordkorea "sehr wahrscheinlich"

Nordkorea arbeitet unverhohlen an der Entwicklung von Langstreckenraketen, die schwere Atomsprengköpfe bis in die USA tragen können. Die Forderungen der internationalen Gemeinschaft, ihr Atomprogramm zu beenden, ignoriert die Führung in Pjöngjang.

Der neue südkoreanische Staatschef Moon Jae-in hat die Wahrscheinlichkeit militärischer Zusammenstöße entlang der Grenze zu Nordkorea als "hoch" eingestuft. Das gelte sowohl für die umstrittene Seegrenze vor der Küste der koreanischen Halbinsel als auch für die stark gesicherte innerkoreanische Landgrenze, sagte Moon am Mittwoch während eines Besuchs des Verteidigungsministeriums in Seoul.

Die nordkoreanischen "Provokationen und atomaren Drohungen" werde er "niemals dulden", betonte Moon.

Das Präsidialamt zitierte am Mittwoch den neuen Staatschef mit den Worten: "Die Realität sieht so aus, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen militärischen Konflikt ... an der Demarkationslinie gibt."

Das Atomwaffen- und Raketenprogramm des nördlichen Nachbarn sei in jüngster Zeit schnell vorangekommen. Südkorea sei aber bereit und in der Lage, bei einem Angriff Nordkoreas zurückzuschlagen.

Doppelstrategie

Kurz zuvor hatte die südkoreanische Regierung erklärt, sie wolle den Dialog mit dem Norden wieder in Gang bringen und entsprechende Kanäle reaktivieren. Offenkundig setzt Moon auf eine Doppelstrategie aus Sanktionen und Dialog.

Der US-Pazifik-Kommandant, Admiral Harry Harris, sagte unterdessen während eines Besuchs in Japan, Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm bedrohe sogar dessen Verbündete China und Russland. Die Staatengemeinschaft rief er auf, die Strafmaßnahmen gegen Nordkorea zu verschärfen. Zugleich bekräftigte er, dass die USA den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un "zur Räson bringen", aber nicht "in die Knie" zwingen wollten.

Trotz Raketentests keine UNO-Sanktionen gegen Nordkorea

Der UNO-Sicherheitsrat sieht trotz des erneuten Raketentests Nordkoreas von neuen Sanktionen gegen das kommunistisch regierte Land vorerst offenbar ab. Der UNO-Botschafter Uruguays und derzeitiger Vorsitzender des Gremiums, Elbio Rosselli, sagte am Dienstag (Ortszeit) in New York lediglich, der 15 Mitglieder zählende Rat lehne die Handlungen Nordkoreas entschieden ab.

Alle Länder müssten sich an bereits verhängte Sanktionen des UNO-Sicherheitsrats halten. Mehrere UNO-Resolutionen untersagen der kommunistischen Führung in Pjöngjang Tests unter Verwendung ballistischer Raketentechnik. Am Montag hatte der Sicherheitsrat den Raketentest vom Sonntag bereits scharf verurteilt und Bereitschaft erkennen lassen, neue Sanktionen gegen Pjöngjang zu verhängen. Rosselli sagte, es sei sehr wichtig, dass Nordkorea "eine ehrliche Verpflichtung zur Abrüstung" zeige. Das Land müsse Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und darüber hinaus abbauen.

US-Außenminister Rex Tillerson beriet sich am Dienstag unterdessen mit seinem japanischen Amtskollegen Fumio Kishida und sicherte diesem die Unterstützung der USA zu. Beide Minister seien sich einig gewesen, dass nach dem jüngsten Raketentest verschärfte Sanktionen notwendig seien, teilte das State Department in Washington mit.

Die Lage in der Region ist nach zwei Atomversuchen und zahlreichen Raketentests Nordkoreas seit dem vergangenen Jahr sehr angespannt. US-Präsident Donald Trump drohte mehrmals mit Alleingängen in dem Atomstreit. Auch schloss er einen Militärschlag nicht aus.

Am Sonntag hat die nordkoreanische Armee nach offiziellen Angaben eine neu entwickelte Mittel-/Langstrecken-Rakete vom Typ Hwasong-12 getestet. Die Rakete wurde in eine ungewöhnlich hohe Flugbahn befördert.

Laut der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA landete sie nach 787 Kilometern planmäßig im Meer. Ausländischen Experten zufolge war es die Rakete mit der längsten Reichweite, die das abgeschottete Land jemals getestet hat. Sie vermuten eine technisch mögliche Reichweite von 4500 Kilometern oder mehr.