Politik | Ausland
27.11.2017

Streit um Sieg bei Präsidentenwahl in Honduras

Mit seinem Oppositionbündnis erreichte Salvador Nasralla überraschend eine Mehrheit gegenüber Staatschef Juan Orlando Hernandez. Zunächst hatten beide den Sieg für sich reklamiert.

Nach der Präsidentschaftswahl in Honduras streiten Amtsinhaber Juan Orlando Hernandez und Herausforderer Salvador Nasralla um den Sieg. Nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen kam Nasralla auf gut 45 Prozent, wie das Oberste Wahlgericht am Montag mitteilte. Amtsinhaber Hernandez lag demnach mit gut 40 Prozent an zweiter Stelle; beide beanspruchten den Sieg für sich.

Nasralla hatte bereits in der Nacht einen Sieg von Hernandez in Abrede gestellt und sich selbst zum Sieger erklärt. "Da sich die Tendenz nicht ändert, kann ich euch sagen, dass ich der neue Präsident von Honduras bin", sagte Nasralla vor seinen Anhängern in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa. Er liege bei den Wahlergebnissen vorn und könne nicht mehr eingeholt werden, fügte der 64-jährige ehemalige Fernsehmoderator hinzu. Er war für das Bündnis Allianz gegen die Diktatur angetreten, um die Macht der konservativen National-Partei zu brechen.

Wenige Stunden vor Nasralla hatte sich Hernandez zum Wahlsieger erklärt. Die Auszählung sei "klar und nicht zu beanstanden", sagte der 49-Jährige vor Anhängern seiner konservativen Nationalen Partei. "Wir haben die Wahl gewonnen." Später sagte er, die bisher ausgezählten 57 Prozent der Stimmen seien nicht repräsentativ, da sie lediglich aus den großen Städten des Landes stammten.

Der seit 2013 amtierende Hernandez hatte erneut kandidiert, obwohl die Verfassung eine zweite Amtszeit verbietet. Doch ermöglichte der Oberste Gerichtshof des zentralamerikanischen Landes in einer umstrittenen Entscheidung eine neuerliche Kandidatur.

Die Opposition hatte vor Wahlbetrug gewarnt. Nasralla und der mit knapp 14 Prozent bisher drittplatzierte Luis Zelaya von der Liberalen Partei kündigten an, eine Wiederwahl von Hernandez nicht zu akzeptieren.

Insgesamt waren rund 16.000 Wahlbeobachter im Einsatz, darunter 600 aus der Europäischen Union. Die portugiesische Europaparlamentsabgeordnete Marisa Matias sagte, der Wahlverlauf sei "ruhig" gewesen. Die Bewertung sei "bisher positiv". Die Regierung hatte 35.000 Polizisten und Soldaten zur Sicherung des Urnengangs abgestellt.

Kriminalität und Armut

Der neue Präsident steht vor großen Herausforderungen: Honduras leidet unter Kriminalität und Armut. Mächtige Jugendbanden sind in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt und kontrollieren ganze Stadtviertel. Rund 60 Prozent der Honduraner gelten als arm, rund 38 Prozent leben sogar in extremer Armut. Zudem ist Honduras eines der Länder mit dem niedrigsten Bildungsniveau in Mittelamerika. Nasralla warb mit einem besseren Zugang zur Bildung und Präventionsprogrammen zur Eindämmung der Kriminalität.

Nur wenig hat sich in Honduras geändert, seit Hernandez seine erste Amtszeit antrat. Er habe nicht genug Zeit gehabt, sagte der 49-Jährige. Angesichts von Korruption, sozialer Ungleichheit und Gewalt stimmten die Honduraner nun offenbar für den Wechsel. Oppositionskandidat Nasralla will den Zugang zur Bildung verbessern und setzt auf Prävention zur Eindämmung der Kriminalität.

Neben dem Staatschef wurden am Sonntag in Honduras auch die 128 Abgeordneten des Parlaments und die Bürgermeister der 298 Gemeinden des Landes neu gewählt.