Politik | Ausland
26.01.2018

Soros: Orban hat ungarische Oppositionspartei "gekauft"

"Sehr erfolgreich dabei, Mafiastaat effizient funktionieren zu lassen".

Der vom ungarischen Regierungschef Viktor Orban häufig attackierte US-Milliardär George Soros hat behauptet, Orban habe die oppositionellen Sozialisten "gekauft". Das sagte der ungarischstämmige Philanthrop beim Weltwirtschaftsforum in Davos am Donnerstagabend.

"Leider war Orban sehr erfolgreich dabei, den Mafiastaat effizient funktionieren zu lassen. Er hat die Chefs der sozialdemokratischen Partei (gemeint sind offenbar die oppositionellen Sozialisten (MSZP), Anm.) finanziell gekauft, und er hat auch Spione in jeder auftauchenden sauberen Partei, die die Wählerschaft anziehen könnte. Deshalb ist es für diese äußerst schwierig, über die Hürde zu springen, die notwendig ist, um gewählt zu werden", sagte Soros auf eine Journalistenfrage in dem von der Agentur Bloomberg online gestellten Video von seinem Auftritt.

Orban nutzt Soros als Feindbild

Der liberale US-Financier ist in den vergangenen Jahren zum öffentlichen Hauptfeindbild von Orbans Regierung avanciert. Diese wirft ihm unter anderem vor, die massenhafte Ansiedlung außereuropäischer Migranten in Europa zu betreiben ("Soros-Plan"). Diese Vorwürfe hatte Soros wiederholt zurückgewiesen. Auch von Soros finanzierte Nichtregierungsorganisationen und die von ihm gegründete Central European University (CEU) in Budapest stehen zunehmend im Visier der rechtsnationalen ungarischen Führung.

Zu dieser Strategie des Regierungschefs sagte der US-Milliardär: "Orban basiert seine Wahlkampagne auf meine Dämonisierung." Die nächste Parlamentswahl in Ungarn findet am 8. April statt. Aufgrund der Schwäche der Opposition wird eine Wiederwahl von Orbans seit 2010 regierender Partei Fidesz erwartet - auch von Soros: "Ich befürchte, er wird wohl die Wiederwahl gewinnen."