Politik | Ausland
09.11.2017

"Niederlage schmerzt Hillary immer noch"

Der Wiener über seine Begegnung mit Hillary in New York

Vor etwas mehr als einem Jahr war Josef Mantl noch für Hillary Clinton beim Wahlkampf in den USA im Einsatz. Jetzt traf der Wiener Social-Media-Experte mit der ehemaligen First Lady in New York wieder zusammen. Bei einer Veranstaltung der jüdischen Gemeinde erlebte Mantl eine "immer noch kämpferische Hillary, die sich jetzt kein Blatt mehr vor den Mund nimmt". Die Niederlage, das würde Clinton offen eingestehen, "die schmerzt sie immer noch, und das Schuldgefühl, dass sie ihre Wähler enttäuscht hat, ist immer noch da".

Doch Clinton mache auch kein Hehl daraus, wessen Einfluss sie hinter dem Wahlausgang sieht: Russland habe sich ganz massiv in den Wahlkampf eingemischt, auch weil Putin schlicht "frauenfeindlich" sei. Doch sie spreche auch offen über ihre eigenen Schwächen, die zum Wahlausgang beigetragen haben, "dass sie immer zu pragmatisch, zu sachlich gewirkt hat und zu wenig Emotionen bei vielen Wählern geweckt habe". Über die sogenannte "E-Mail-Affäre", die sie vielleicht die entscheidenden Stimmen für den Wahlsieg gekostet hat, kann sie sich heute, ein Jahr danach, immer noch verärgert, aber mit Humor äußern, "diese verdammten E-Mails".

"Keine Kandidatur"

In New York erzählte Hillary offen über die Zeit, die sie brauchte, um den Wahlausgang zu verdauen, von ihrem Rückzug ins Privatleben, von den Wochen, die sie in ihren Yogahosen und bei Waldspaziergängen verbrachte, aber auch "mit einer ordentlichen Portion Chardonnay". Über Trumps Präsidentschaft könne sie sich mehr denn je offen empören, wie ein "Albtraum" würde die ihr oft erscheinen, "man glaubt, man ist im falschen Film". Wirklich schwer sei es ihr gefallen, bei der Angelobung Trumps dabei zu sein, "sie hat es als ihre demokratische Pflicht gesehen".

Eine neuerliche Kandidatur schließe sie inzwischen aus, aber die Politik will Hillary trotzdem noch nicht hinter sich lassen. "Onward together" heißt die Initiative, die junge politische Talente fördern und ermuntern will, sich auf den langen mühsamen Weg an die Spitzte zu machen. Junge Frauen sind ihr da ein besonderes Anliegen. Schließlich spricht sie auch über ihre persönliche Erfahrung, "ist es für Frauen immer noch doppelt schwierig in der Politik".