Politik | Ausland
17.04.2017

So hätte die Türkei ohne Auslandstürken gewählt

Auslandstürken machten etwa fünf Prozent aller Wahlberechtigten aus. Erdogan hätte aber auch ohne ihr deutliches "Ja" zum Referendum gewonnen.

Lediglich 1,3 Millionen Stimmen trennten das "Nein"-Lager von einem Sieg beim Referendum am Sonntag. Ein denkbar knappes Ergebnis.

Während Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit den 51,41 Prozent "Ja"-Stimmen in der Türkei selbst mit einem blauen Auge davonkam, stimmten die 2,9 Millionen Wahlberechtigten im Ausland mit einer deutlichen Mehrheit für die Verfassungsänderung. Insgesamt unterstützten 59,09 Prozent der wahlberechtigten Auslandstürken den Präsidenten in ihrer alten Heimat.

Konkret sprachen sich in Deutschland, wo rund die Hälfte aller wahlberechtigten Auslandstürken leben, 63,07 Prozent für das Präsidialsystem aus; in Österreich mehr als 73 Prozent. Auf den höchsten Wert in Europa kam Belgien mit 75,1 Prozent "Ja"-Stimmen.

Ein deutliches Votum - entscheidend ins Gewicht fällt es allerdings nicht. Denn auch ohne ihre Stimmen wäre das Referendum mit 51,18 Prozent zugunsten Erdogans ausgegangen.

Ein komplett anderes Bild zeigte sich übrigens jenseits des großen Teiches. In den USA stimmten die Türken mit 83,8 Prozent für das "Nein", in Kanada sind es noch immer 72,08 Prozent. In Australien sagten ebenfalls 58,18 Prozent "Nein". Auch die in Russland wohnenden Türken erteilten Erdogan mit 73,98 Prozent eine Absage. Auch in der Schweiz blieb das "Ja"-Lager mit 38 Prozent klar in der Minderheit. Ebenso in Schweden (47 Prozent) und im Vereinten Königreich (20 Prozent).