„Werde sicher  heilig gesprochen.“ – Silvio, der Märtyrer

© REUTERS/STEFANO RELLANDINI

Silvio Berlusconi
05/09/2014

"Es ist bereichernd, Leidenden zu helfen"

Der Ex-Premier Italiens hat heute seinen Sozialdienst im Altersheim angetreten – und spielt den Märtyrer.

Neun Monate und neun Tage nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs hat Ex-Premier Silvio Berlusconi heute seinen Sozialdienst angetreten: Der 77-Jährige ist am Vormittag im katholischen Seniorenheim "Sacra Famiglia" in Cesano Boscone bei Mailand eingetroffen. Dort soll er sich in den nächsten Monaten je vier Stunden pro Woche um Alzheimer-Patienten kümmern – als Alternative zum einjährigen Hausarrest.

In einem Radiointerview erzählte Berlusconi, er habe bereits früher gemeinsam mit seiner Mutter alte und kranke Menschen besucht. "Ich habe von ihr gelernt, dass es bereichernd ist, Not leidenden Personen zu helfen", erklärte der Ex-Premier.

Former Italian PM Berlusconi looks on as he arrive

ITALY BERLUSCONI COMMUNITY SERVICE

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Former Italian PM Berlusconi enters the Sacred Fam

Keine politische Bühne

Versuche, seine Auftritte für politische Zwecke zu nützen, will man unterbinden. Es gäbe klare Vorgaben, an die sich der Medientycoon strikt zu halten habe, erklärte der Leiter des Heims, Paolo Pigni: "Berlusconi wird an keiner unterhaltsamen Aktivität teilnehmen. Er wird mit Leid und herausfordernden Situationen in Berührung kommen." Die Chancen, sich als Entertainer zu gebärden, der Witze erzählt oder Klavier spielt, stehen also gering.

Berlusconi fühlt sich in seiner Freiheit eingeschränkt. Bei einem nächtlichen Kontrollbesuch überprüfte die Polizei unlängst, ob er auch wirklich zu Hause war. Der Vorsitzende der Oppositionspartei Forza Italia muss sich von 23 Uhr bis 6 Uhr in den eigenen vier Wänden aufhalten. Zudem darf er seine Heimatregion Lombardei nur in Ausnahmefällen verlassen. Der Pass wurde ihm vor Monaten abgenommen. Wegen all dieser Ungerechtigkeiten werde er sicher bald heilig gesprochen, so Berlusconi.

Auch sonst bekommt er starken Gegenwind zu spüren. Sein Vertrauensmann, der frühere Innen- und Industrieminister Claudio Scajola, wurde am Donnerstag wegen Mafia-Verbindungen festgenommen. Beim Prozess in Neapel (Senatoren-Bestechung) tauchten zudem neue Zeugen mit schweren Belastungen auf.

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