Politik | Ausland
09.01.2013

Bennett rollt Politik von rechts auf

Multimillionär, Ex-Elitesoldat und Neo-Parteichef Naftali Bennett macht Premier Netanyahu im Wahlkampf heftige Konkurrenz.

Gegner wie Freunde zollen Naftali Bennett Anerkennung. Der neue, streng rechte Aufsteiger in der israelischen Politik hat mit seinen 40 Jahren alles geschafft, was er schaffen wollte: Elite-Soldat, Hightech-Multimillionär und Erfolgspolitiker.

Bennett wurde 1972 in Haifa geboren. Ein im Lande geborener „Sabre“, dem aber als Sohn von Einwanderern aus den USA der amerikanische Lebensstil niemals fremd war. In New York machte er dann auch als Hightech-Unternehmer seine ersten 145 Millionen Dollar.

Da hatte er seine militärische Karriere schon hinter sich. Als Major der Kommando-Truppe des Generalstabs nahm er auch als Auslands-Israeli regelmäßig an den Übungen der Reserve teil.

Dritte Karriere

In seine dritte Karriere führte ihn die Langeweile: „Mit so vielen Millionen reizt einen Politik mehr als Wirtschaft.“ Als Stabschef der Likud-Partei führte er Oppositionschef Benjamin Netanyahu ins Premiers-Amt. An dessen Seite hielt es Bennett aber nicht lange aus. Er soll sich mit Netanyahus streitbarer Frau Sarah überworfen haben. Bennett schweigt dazu: „Meine Zeit dort war einfach abgelaufen.“

So wechselte er über in die Siedlerlobby – gleich auf den Chefposten. Obwohl Bennett mit seiner Frau und vier Kindern im gutbürgerlichen Raanana lebt. Die Siedlungen liegen noch einige Kilometer weiter ostwärts.

Bennett wuchs als praktizierender Jude in der Religiös-Nationalen Partei auf. Unter Ausbootung alter Verbündeter wurde er Vorsitzender. Die zur Splitterpartei verkommene Bewegung hat mit Bennett jetzt Aussichten, zweistellig (12 bis 16 Mandate) zu werden. Er schaffte dies unter Brüskierung der alten Partei-Elite. Mit dem neuen Namen HaBayit HaYehudi („Jüdisches Zuhause“) wurde die gemäßigt religiöse Partei radikal nationalistisch. Bennett punktet aber auch mit liberalen Plänen zum Abbau monopolistischer Infrastruktur in der Wirtschaft.

Als er im TV erklärte, einen allfälligen Befehl zur Räumung von Siedlungen verweigern zu müssen, kam es wegen dieser für einen ehemaligen Militär undenkbaren Ankündigung zum Aufruhr: Netanyahus Likud richtete den Wahlkampf persönlich gegen Bennett aus. Likud-Poster und Schlagzeilen verhalfen dem fast Unbekannten zu Wahlkampfruhm. In Umfragen legte er zu, besonders bei Israels jungen Wählern.

Einen palästinensischen Staat werde es mit ihm nicht geben, kündigte er in einem Interview an: „Die Welt wird uns zwar verurteilen – aber es dann einfach akzeptieren.“

Wahl: Ausgangslage

Regierungslager

Die Wahlallianz unter dem konservativen Premier Benjamin Netanyahu ist Favorit für die Parlamentswahl. Dessen Likud-Block sowie die Partei des wegen Vertrauensbruchs zurückgetretenen Außenministers Avigdor Liebermann dürfen laut Umfragen mit 35 der 120 Knesset-Sitze rechnen. Zusammen mit den ultra-rechten und streng religiösen Parteien käme die Allianz auf eine absolute Mehrheit. Gespannt blickt die Öffentlichkeit zudem auf das Abschneiden des neuen Shootingstars Naftali Bennett.

Opposition

Sie ist völlig zerstritten. Der Versuch, einen Mitte-links-Block zu bilden, ist gescheitert. Die Sozialdemokraten unter Shelly Jachimowich und die liberale Partei unter Jair Lapid machen Ex-Außenministerin Zipi Livni (Bewegung) für das Scheitern verantwortlich. Gemeinsam könnten sie laut Prognosen 53 Mandate erobern.

Unentschlossene

Die Prognosen sind noch vage, da fast ein Drittel der Wähler noch unentschlossen ist.