Politik | Ausland
19.01.2018

Sexueller Missbrauch in UNO-Büros

Mitarbeiterinnen berichten von sexuellem Missbrauch in Büros der Vereinten Nationen. Die Frauen werfen der Organisation eine "Kultur des Schweigens" vor.

Zahlreiche Mitarbeiterinnen der Vereinten Nationen haben sexuellen Missbrauch erlitten, berichtet die britische Zeitung "The Guardian". 15 Opfer aus mehr als zehn Ländern hätten von Fällen verbaler Belästigung bis hin zu Vergewaltigung erzählt. Laut den Frauen herrscht in der internationalen Organisation eine "Kultur des Schweigens" und der Straflosigkeit vor.

Auf Opfer werde demnach oft Druck ausgeübt, die mutmaßlichen Täter würden nicht bestraft und blieben weiter in ihren Ämtern, hieß es in dem Bericht. 15 Befragte gaben an, in den letzten fünf Jahren sexuelle Belästigung erlebt zu haben, sieben von ihnen hatten dies intern gemeldet. Die in mehr als zehn Ländern arbeitenden Opfer wollten aus Angst anonym bleiben. Auch um welche Länder es sich handelt, ist bisher nicht bekannt.

Drohungen gegen Frauen

Viele fürchten die Folgen einer Beschwerde: "Wenn man es meldet, dann ist deine Karriere vorbei", sagte eine Frau dem Blatt. Drei Frauen, die Übergriffe gemeldet hatten, gaben an, seitdem entweder ihre Arbeit verloren oder mit Kündigung bedroht worden zu sein. Die mutmaßlichen Täter seien weiterhin auf ihren Posten.

Eine Frau berichtete von einer Vergewaltigung durch einen Vorgesetzten. Eine interne Untersuchung habe trotz medizinischer Untersuchungen und Zeugenaussagen keine ausreichenden Beweise für die Tat gefunden.

UNO verspricht Befragung

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres wolle "unerbittlich" mit dem Thema umgehen, sagte sein Sprecher Stephane Dujarric in New York. Es gehe dabei auch um Gleichbehandlung der Geschlechter und Machtgleichheit. Die Organisation wolle nun die Mitarbeiter befragen und eine Anlaufstelle einrichten.