Politik | Ausland
22.02.2018

Selbstmordanschlag auf US-Botschaft in Montenegro

Das Botschaftsgebäude in Podgorica wurde vermutlich mit einer Handgranate attackiert. Die US-Botschaft bestätigte den Angriff. Die Polizei verdächtigt einen 43-jährigen Serben.

Auf die US-Botschaft in dem kleinen Adriastaat Montenegro ist ein Anschlag verübt worden. Ein Mann habe kurz nach Mitternacht offensichtlich eine Handgranate auf das Botschaftsgebäude in der Hauptstadt Podgorica geworfen und sich dann mit einer zweiten Handgranate selbst umgebracht, berichteten die Regierung und örtliche Medien am Donnerstag.

Die Polizei habe Ermittlungen eingeleitet, hieß es. Die US-Botschaft empfahl ohne weitere Einzelheiten zu nennen, die Nähe zu dem attackierten Gebäude zu meiden. Die Botschaft sei aber nicht beschädigt worden.

Die montenegrinische Polizei verdächtigt einen Serben, den Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Podgorica verübt zu haben. Wie die Tageszeitung "Vijesti" am Donnerstag unter Berufung auf Polizeiangaben meldete, soll es sich beim Angreifer um den 43-jährigen Dalibor J. gehandelt haben.

Der aus dem zentralserbischem Kraljevo gebürtige Mann soll seinen Wohnsitz in Podgorica gehabt haben, hieß es. Die Motive für die Tat seien nach wie vor unbekannt, so das Blatt.

Visa-Abteilung bleibt geschlossen

Das US-Außenministerium bestätigte einen "Angriff auf das US-Botschaftsgelände". Die US-Botschaft riet unterdessen den amerikanischen Bürgern in dem Westbalkanstaat, Ansammlungen in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Auch würde die Visa-Abteilung der Botschaft heute geschlossen bleiben.

Montenegro steht seit langem zwischen den politischen Fronten. Im letzten Sommer wurde das Land in die NATO aufgenommen, obwohl es traditionell sehr enge Beziehungen zu Russland hat. Im Umfeld dieses Beitritts hatte US-Vizepräsident Mike Pence das Land mit nur 620.000 Einwohnern besucht und alle Staaten der Region gedrängt, ihre Beziehungen zu Russland zu lösen, um sich dem Westen zuzuwenden.

Gescheiterter Putschversuch

Bei der letzten Parlamentswahl im Oktober 2016 hatte es einen gescheiterten Putschversuch gegeben. In dem laufenden Gerichtsverfahren behauptet die Staatsanwaltschaft, Russland und der Nachbar Serbien als sein ebenfalls enger Verbündeter seien darin verwickelt gewesen. Moskau bestreitet jede Beteiligung als absurd und beschuldigt die montenegrinische Regierung, den Fall konstruiert zu haben, um das Land weiter von Russland zu entfernen.

Montenegro war als letzter Teil des auseinandergebrochenen Vielvölkerstaates Jugoslawien 2006 selbstständig geworden. Zunächst hatten russische Oligarchen große Teile der Wirtschaft übernommen und massiv Grundstücke an der Adriaküste aufgekauft. Russische Urlauber bildeten das Rückgrat der heimischen Tourismusindustrie. Inzwischen ist das Land jedoch NATO-Mitglied und einer der aussichtsreichsten EU-Kandidaten. Die EU-Kommission hatte zuletzt 2025 als mögliches Beitrittsdatum genannt.