Schulz: Europäische Partner drängen auf Große Koalition

Trauerfeierlichkeiten fŸr Altkanzler Kohl
Foto: APA/dpa/Marijan Murat Martin Schulz und Emmanuel Macron beim Abschied von Helmut Kohl

Der deutsche SPD-Chef berichtet über entsprechende Signale von Macron und Tsipras. Laut einer Umfrage halten SPD-Anhänger Schulz die Treue.

SPD-Chef Martin Schulz sieht sich von europäischen Partnern zum Eintritt in eine neue Große Koalition in Deutschland gedrängt. Er habe etwa vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras entsprechende Signale bekommen, bestätigte Schulz der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

In Telefonaten und SMS-Botschaften sei es darum gegangen, wie Deutschlands Sozialdemokraten europäische Reformen in einer Regierung voranbringen könnten. Macron setzt sich für eine Reform der Europäischen Union ein und ist dazu auf Deutschland angewiesen.

Auch Schulz sieht eine Chance in verstärkter europäischer Zusammenarbeit: "Das Schutzversprechen des Staates, das die Sozialdemokratie einst den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen erkämpft hat, kann nur über eine europäisierte Sozialdemokratie erneuert werden, weder im französischen noch im deutschen Alleingang", sagte er der Zeitung.

Tsipras habe ihm geschrieben: "Vergiss nicht, dass eine wahrhaft linke und fortschrittliche Position nicht darin besteht, die eigene Identität möglichst sauber zu halten", berichtete der SPD-Chef. Vielmehr müsse man für wirkliche Veränderungen und Reformen kämpfen. "Ich bin sicher, Du wirst die richtige Entscheidung treffen", so die Botschaft von Tsipras.

SPD verlor leicht in Wählergunst

In der Wählergunst hat die SPD scheinbar etwas eingebüßt, seit sie sich für Koalitionsgespräche geöffnet hat. Die Zustimmung für die SPD sank gegenüber der Vorwoche um einen Punkt auf 21 Prozent, wie die Emnid-Umfrage im Auftrag der Zeitung Bild am Sonntag ergab.

Die AfD legte einen Punkt auf zwölf Prozent zu. Die übrigen Parteien stagnierten: die Union bei 33 Prozent, die FDP bei neun Prozent, Linkspartei und Grüne bei jeweils zehn Prozent.

95 Prozent für Schulz

Schulz genießt bei den SPD-Anhängern aber offenbar auch nach der Abkehr von seinem kategorischen Nein zu Koalitionsgesprächen starken Rückhalt. 95 Prozent der SPD-Anhänger wollen Schulz der Umfrage zufolge als Parteichef behalten. Unter allen Befragten sprachen sich 41 Prozent für seinen Verbleib im Amt aus, 42 Prozent waren dagegen.

Für den Sonntagstrend befragte Emnid von 23. bis 29. November 1.888 Menschen. Zu ihrem Urteil über die Parteichefs wurden am 30. November 507 Personen befragt.

(APA / tem) Erstellt am
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