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Politik Ausland
12/05/2011

"Schreckliche" Zustände in Gaddafi-Festung

Fliehende Zivilisten werden von Heckenschützen beschossen, die medizinische Versorgung ist zusammengebrochen.

Die Situation in der von Truppen der neuen libyschen Führung belagerten Stadt Sirte ist nach Angaben des Roten Kreuzes "schrecklich". In der Heimatstadt des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi sterben unzählige Menschen wegen fehlender Medikamente, wie Hichem Chadraui vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Samstag nach einem Sirte-Besuch sagte. "Es ist eine schreckliche Situation." Die Ärzte in einem der Krankenhäuser der Stadt hätten einer Rot-Kreuz-Delegation gesagt, dass sie nicht einmal mehr Sauerstoff hätten. Auch fehle Treibstoff für die Notgeneratoren.

"Während wir in dem Krankenhaus waren, schlugen mehrere Geschoße ein", berichtete Chadraui. Bei vorangegangenen Angriffen sei unter anderem der Wasserspeicher des Krankenhauses getroffen worden. Nun müsse frisches Wasser immer von außen besorgt werden. Die Rot-Kreuz-Mitarbeiter übergaben bei ihrem Besuch den Angaben zufolge 300 "Kriegsverletzten-Versorgungspäckchen" sowie 150 Leichensäcke für Verstorbene.

Heckenschützen feuern auf Zivilisten

Nach einem Bericht des Nachrichtensenders Al-Jazeera leisteten die im Stadtzentrum von Sirte verschanzten Gaddafi-Milizen erbitterten Widerstand. Vor allem auf Dächern postierte Heckenschützen bereiteten den Truppen des Übergangsrats Schwierigkeiten. Die Heckenschützen würden auch Zivilisten unter Beschuss nehmen, die aus der Kampfzone flüchten wollten.

Der Chef des US-Afrika-Kommandos (Africom), General Carter Ham, sprach sich unterdessen für ein Ende der NATO-Mission in Libyen aus. Die Mission sei größtenteils beendet und ihr Abschluss könne bereits nächste Woche nach dem Treffen der NATO-Teilnehmerstaaten in Brüssel beschlossen werden, berichtet die britische Zeitung Guardian auf ihrer Webseite. Die Entscheidung liege bei den zuständigen Ministern der NATO. An der Mission nehmen neben den USA auch Großbritannien, Frankreich, Italien und andere Staaten teil. Drohnen und Überwachungsgerät USA soll laut Ham allerdings weiterhin in der Region stationiert bleiben.

Boden-Luft-Raketen verschwunden

Vertreter der Übergangsregierung berichteten unterdessen, dass aus den Waffenarsenalen des gestürzten Machthabers al-Gaddafi fast 5.000 Flugabwehrraketen des Typs SAM-7 verschwunden seien. Unter Gaddafi habe Libyen rund 20.000 dieser Raketen aus sowjetischer oder bulgarischer Produktion gekauft, sagte ein Sprecher des Übergangsrates. "Leider besteht die Möglichkeit, dass einige dieser Raketen in die falschen Hände gelangt sind, etwa im Ausland", hieß es.

Angriffe auf Passagierflugzeuge befürchtet

Die SAM-7 ähnelten den Stinger-Raketen aus US-Produktion, seien leicht in der Handhabung und könnten etwa genutzt werden, um ein Passagierflugzeug abzuschießen. Für den Übergangsrat komme deren Nutzung allerdings nicht infrage, da die Raketen auf Militärtechnologie der 1970er Jahre basierten und somit veraltet seien. Experten in westlichen Staaten warnen vor einer Verbreitung der Flugabwehrraketen und befürchten, dass etwa Extremisten der Terrororganisation Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) damit Passagierflugzeuge angreifen könnten. Im November 2002 wurde eine SAM-7-Rakete auf ein israelisches Verkehrsflugzeug im kenianischen Mombasa abgefeuert, die aber ihr Ziel verfehlte.

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