Politik | Ausland 29.11.2016

D: Islamist schlich sich bei Verfassungsschutz ein

Sicherheitsbeamter in Foyer der Zentrale des Bundesamts für Verfassungsschutz in Köln. © Bild: REUTERS/WOLFGANG RATTAY

Der deutsche Verfassungsschutz enttarnte einen mutmaßlichen Islamisten im eigenen Haus.

Wurden die Späher selbst ausgespäht? Nach Informationen des Spiegel und der Welt enttarnte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) einen mutmaßlichen Islamisten in den eigenen Reihen. Der Mann habe sich im Internet unter falschem Namen islamistisch geäußert und Dienstgeheimnisse verraten, bestätigte ein Sprecher der Behörde am Dienstagabend die entsprechenden Medienberichte.

Der Mann habe vorgehabt, einen Sprengstoffanschlag auf die Zentrale des BfV in Köln zu verüben. Bisher gebe es allerdings keine Belege für eine konkrete Gefahr für das Amt und seine Mitarbeiter. Der Festgenommene - ein 51 Jahre alter Deutscher - hat sich laut Welt in einer Vernehmung zu dem Anschlagsplan bekannt.

"Im Sinne Allahs"

Es sei „im Sinne Allahs“, einen solchen Anschlag zu verüben. Offenbar habe der Mann aber noch nicht mit konkreten Anschlagsvorbereitungen begonnen. Laut Spiegel legte er ein Teilgeständnis ab.

Die Behörden seien ihm vor rund vier Wochen auf die Spur gekommen. Gegen ihn sei Haftbefehl erlassen worden, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittele. Der Mann sei erst vor Kurzem eingestellt worden, um für den Inlandsgeheimdienst die islamistische Szene in Deutschland zu observieren.

Zentrale des BfV in Köln
© Bild: CC BY-SA 3.0 A. Kirch

Doppelleben

Dabei habe er sich nach Auskunft der Behörde im Bewerbungsverfahren, während der Ausbildung und in seinem Einsatzbereich unauffällig benommen. Zugleich habe er aber offenbar akribisch Dienstgeheimnisse zusammengetragen, in seinem Besitz hätten die Ermittler Speichermedien mit entsprechenden Informationen gefunden. Der Mann führte nach Informationen der Welt eine Art Doppelleben.

So habe er sich mit mehreren Muslimen oder mit Personen, die sich als Muslime ausgaben, in einem Internet-Chat über ein mögliches Attentat auf das Kölner Hauptquartier des BfV unterhalten. Doch mindestens eine der von ihm angesprochenen Personen arbeitete wiederum selber als V-Mann für das BfV. Aufgrund der Meldung dieses V-Mannes seien die Ermittlungen gegen den Verdächtigen aufgenommen worden.

Der Präsident des Bundesamtes fuer Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maassen
Nordrhein-Westfalen/ ARCHIV: Der Praesident des Bundesamtes fuer Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maassen, in Koeln bei einer… © Bild: dapd/Roberto Pfeil
( Agenturen , kob ) Erstellt am 29.11.2016