Politik | Ausland
16.06.2017

USA: "Keine Informationen" über Tod von IS-Führer

Das russische Verteidigungsministerium prüft Angaben, nach denen der Anführer der Terrormiliz bei einem Luftangriff getötet wurde.

Der Anführer der IS-Terrormiliz, bekannt als Abu Bakr al-Baghdadi, könnte nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums getötet worden sein. Das russische Verteidigungsministerium prüfe Berichte, wonach er bei einem russischen Luftangriff in der Nähe der syrischen Stadt Raqqa am 28. Mai ums Leben gekommen sein könnte, teilte das Ministerium am Freitag in Moskau mit.

Baghdadi habe an dem Abend den Informationen zufolge an einem Treffen mit anderen Anführern des "Islamischen Staates" teilgenommen. Sie sollen Routen geplant haben, um die Stadt zu verlassen. Auch andere führende IS-Leute sollen bei dem Angriff getötet worden sein. Über verschiedene Quellen werde nun versucht, eine Bestätigung für Baghdadis Tod zu erhalten, hieß es aus dem Ministerium.

USA: Haben keine Information

Das US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben keine Information zum angeblichen Tod von al-Baghdadi. "Wir haben keine Informationen, die diese Berichte erhärten würden", sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis am Freitag. Auch die US-geführte Koalition gegen den IS erklärte, sie könne den Tod Al-Baghdadis "derzeit nicht bestätigen". Das teilte ein Sprecher der "Operation Inherent Resolve" mit, US-Oberst Ryan S. Dillon.

Hintergrund: Der unsichtbare "Kalif"

Abu Bakr al-Baghdadi macht seinem Ruf als "unsichtbarer Scheich" alle Ehre. Der Chef der Terrormiliz " Islamischer Staat" (IS) regiert sein zunehmend schrumpfendes "Kalifat" auf syrischem und irakischem Boden aus dem Verborgenen heraus.

Al-Baghdadi sah sich als selbst ernannter "Kalif Ibrahim" in der Nachfolge des Propheten Mohammed. Mit dem Kalifentitel ist der Anspruch verbunden, Führer der gesamten islamischen Gemeinschaft zu sein. Das Kalifat bezeichnet das Herrschaftsgebiet des Kalifen.

Informationen und Details über den 45-jährigen Iraker sind mit Vorsicht zu genießen. Häufig lassen sie sich nicht überprüfen. Lange Zeit wusste kaum jemand, wie der IS-Chef aussieht, da es nur zwei Fotos von ihm gab.

Wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 tauchte er völlig überraschend in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul auf, wo er die Freitagspredigt hielt. Danach aber zeigte er sich nicht mehr. Immer wieder gab es Gerüchte, er sei bei Angriffen verletzt oder sogar getötet worden. Zuletzt vermeldete Russland am heutigen Freitag, dass er in Raqqa bei einem Luftangriff Ende Mai gestorben sein könnte.

25 Millionen US-Dollar Kopfgeld

Al-Baghdadi dürfte 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren worden sein. Sein Geburtsname könnte Ibrahim Awad al-Badri gelautet haben. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak.

Die US-Regierung hat im Dezember 2016 das zur Ergreifung des IS-Chefs ausgelobte Kopfgeld von zehn auf 25 Millionen US-Dollar (22,43 Millionen Euro) erhöht.

Im Jahr 2010 übernahm Al-Baghdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch "Islamischer Staat im Irak" hieß. Nach und nach begann die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber brach Al-Baghdadi mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken. Mit Ausrufung des Kalifats benannte sich die Terrormiliz in "Islamischer Staat" um. Damit verbunden ist der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen.