Wladimir Putin

© RTS/EDUARD KORNIYENKO

Russland
11/02/2016

Putin kritisiert Österreichs Justiz: "Schuldgefühl Migranten gegenüber"

Der russische Präsident bezeichnet den "Freispruch" bei einem Vergewaltigungsprozess gegen einen Flüchtling als Ergebnis der "Auflösung traditioneller nationaler Werte". Der OGH hatte das Ersturteil teils aufgehoben und eine Neuverhandlung angeordnet.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Montag heftige Kritik an einem angeblichen Freispruch eines Flüchtlings, dem die Vergewaltigung eines Buben vorgeworfen wurde, in "einem europäischen Staat" geübt. Durch einen impliziten Verweis auf Medienberichte wurde deutlich, dass sich Putins Vorwurf auf eine Entscheidung des österreichischen Obersten Gerichtshofs (OGH) vom 20. Oktober 2016 bezieht.

"In einem europäischen Staat wird ein Kind von einem Migranten vergewaltigt. Das Gericht sprach ihn aus zwei Gründen frei: Er spricht die Landessprache schlecht und er verstand nicht, dass der Bub, ja es war ein Bub, etwas dagegen sagte", erzählte Putin bei einer Besprechung zur Nationalitätenpolitik im südrussischen Astrachan. Es sei unvorstellbar, was sie (die politisch Verantwortlichen, Anm.) dort anrichten, sagte er.

Kein Freispruch

"Das ist das Ergebnis der Auflösung traditioneller nationaler Werte und von einem Schuldgefühl Migranten gegenüber", erklärte der russische Präsident. Eine Gesellschaft, die ihre Kinder nicht verteidigen könne, habe keine Zukunft.

Allerdings gab es in dem Fall gar keinen Freispruch: Österreichs Höchstrichter hatten am 20. Oktober das Urteil gegen einen Flüchtling aus dem Irak, der im Juni wegen Vergewaltigung sowie schweren sexuellen Missbrauchs eines Zehnjährigen in einem Hallenbad vom Wiener Straflandesgericht zu 6 Jahren Haft verurteilt worden war, in einem Anklagepunkt aufgehoben und eine teilweise Neudurchführung des Verfahrens angeordnet.

Zur Vergewaltigung, so die Richter, hätten im schriftlichen Urteil formaljuristisch zwingend erforderliche Feststellungen gefehlt. Da bei dem Buben einem psychiatrischen Gutachten zufolge eine posttraumatische Belastungsstörung aufgetreten ist, die einer schweren Körperverletzung gleichzusetzen ist, wären im Fall einer erwiesenen Vergewaltigung bis zu 15 Jahre Haft möglich. Der Schuldspruch für sexuellen Missbrauch wurde rechtskräftig und der Täter befindet sich weiterhin in Haft.

Ampelpärchen als Vergleich herangezogen

Am 26. Oktober berichtete das russische Staatsfernsehen über diesen Fall. "Perwy kanal", so beklagte ein medienkritischer Blog im Internetmedium theins.ru noch vergangene Woche, verzichtete jedoch auf die juristischen Details und verdrehte die Fakten: Der Sender sprach von "himmelschreiender Toleranz" und einem angeblichen Freispruch, den die Richter gar mit der "sexuellen Notlage" des Angeklagten begründet hätten.

Ein betont vorsichtiges Verhältnis zu Migranten zeige wiederholt negative Auswirkungen für die Österreicher selbst, hieß es im Beitrag mit Verweis auf einen afghanischen Flüchtling, der in Österreich eine 72-Jährige verprügelt und vergewaltigt habe. Zur Illustration verwendeten die Fernsehgestalter unter anderem Wiens gleichgeschlechtliche Ampelpärchen: Homosexualität gilt im Kreml-nahen Politdiskurs als Ausdruck des westlichen Niedergangs, Europa wird deshalb abwertend oft auch als "Gayropa" bezeichnet.

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