Politik | Ausland
23.06.2017

Rote-Khmer-Anführer: "Das war kein Völkermord"

Genozid-Vorwürfe waren angeblich Propaganda-Erfindung des Kriegsgegners Vietnam.

Ein vor dem Völkermordtribunal in Kambodscha angeklagter Anführer der Roten Khmer hat jegliche Verantwortung für den Tod von Millionen seiner Landsleute zurückgewiesen.

Die Genozid-Vorwürfe seien eine Propaganda-Erfindung des Kriegsgegners Vietnam gewesen, sagte Khieu Samphan (85), ehemals Staatspräsident der Roten Khmer, in seinem Schlussplädoyer am Freitag. "Ich weise die Bezeichnung Mord kategorisch zurück", ergänzte er.

Mit den Plädoyers steht der zweite Teil eines Völkermordprozesses gegen die überlebende Führung des Rote-Khmer-Regimes vor dem Abschluss. Das Tribunal verhandelt seit 2011. Das Verfahren wurde wegen der vielen Anklagepunkte zweigeteilt. In diesem Prozess ging es um Verbrechen gegen ethnische Minderheiten, Zwangsarbeit, Folter und Zwangsehen während der Herrschaft der Roten Khmer in Kambodscha von 1975 bis 1979. Wann ein Urteil gefällt wird, teilte das von den UN unterstützte Tribunal nicht mit.

Khieu Samphan und sein Mitangeklagter Nuon Chea (90), einst Stellvertreter des Regimeführers Pol Pot, waren bereits 2014 im ersten Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nuon Chea äußerte sich am Freitag nicht. Es sei ihm egal, ob er nochmals verurteilt werde, da er das Tribunal nicht anerkenne, sage sein Anwalt.

Die Roten Khmer wollten eine maoistische Bauerngesellschaft verwirklichen. Sie trieben die Stadtbevölkerung aufs Land, schafften Geld und Schulen ab und zwangen alle Menschen auf die Felder. Durch Hungersnöte, Zwangsarbeit, Folter und Ermordungen kamen in dem kleinen südostasiatischen Land nach Schätzungen mindestens 1,7 Millionen Menschen um - mindestens 20 Prozent der Bevölkerung. Nuon Chea und Khieu Samphan sind die einzigen Überlebenden aus der Führungsriege der Roten Khmer. Die ursprünglich ebenfalls angeklagten Ieng Sary und Ieng Thirith waren während der Verfahren gestorben.