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Mobilfunk
08/29/2013

Roaming: Passus über noch niedrigere Gebühren verschwunden

Nach Vorbehalten großer Mobilfunk-Betreiber rückt die EU von Plänen für eine weitere Gebühren-Senkung ab.

Die gute Nachricht vorweg: Bekanntlich sind seit 1. Juli Handy-Telefonate und mobiles Internet-Surfen im Ausland billiger (Details dazu siehe unten). Auf Druck der EU-Kommission mussten die Telekomfirmen die Roaming-Gebühren senken und neue Preisgrenzen einhalten. Wer also derzeit in einem anderen EU-Land Urlaub macht und sein Smartphone oder Notebook nutzt, zahlt somit deutlich weniger für Telefonate, das mobile Abrufen von Mails und das Surfen im Internet als dies bisher der Fall war.

Doch die Hoffnung vieler EU-Bürger, die Kosten könnten in naher Zukunft noch weiter in den Keller rasseln, hat einen Dämpfer bekommen: Die EU-Kommission ist von Plänen zur Beschneidung gewisser Roaming-Gebühren um bis zu 90 Prozent im Telekom-Sektor abgerückt.

Nicht mehr erwähnt

Die Nachrichtenagentur Reuters erhielt Einblick in einen neuen Reform-Entwurf der zuständigen Kommissarin Neelie Kroes, in dem dieser Punkt nicht mehr erwähnt wird.

Ein früheres Dokument sah Kürzungen vor, die beim Aufbau eines gemeinsamen Markets in Europa, der Schaffung von Arbeitsplätzen und einer besseren Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA helfen sollten.

Interventionen?

Mit der Sache vertraute Personen erklärten, Vertreter der Deutschen Telekom, von Orange, Telecom Italia und Telefonica hätten bei einem Treffen mit Kroes im vergangenen Monat ihre Vorbehalte zu den Plänen vorgetragen.

Kroes' Sprecher sagte am Mittwoch, im Laufe des Sommers seien "mehrere technische Verbesserungen" an dem Entwurf vorgenommen worden. Die Vorschläge sollen am 10. September vorgelegt werden.

So sparen Europäer beim Handy-Telefonieren im Ausland

Für Geschäftsreisende und Urlauber ist es eine Selbstverständlichkeit: Mal schnell Mails checken, die Speisekarte übersetzen oder zu Hause anrufen. Wer das im Ausland per Smartphone oder Notebook mobil macht, kann schnell hohe Kosten anhäufen. Unter dem Druck der EU sinken die Roaming-Gebühren in Europa schon seit Jahren. Seit 1. Juli gelten folgende Regelungen:

Was hat sich geändert?

Seit 1. Juli gelten neue gesetzliche Obergrenzen. Ein Anruf aus dem europäischen Ausland kostet maximal 24 statt bisher 29 Cent pro Minute (ohne Mehrwertsteuer).

Was ist neu beim Internet-Surfen im Ausland?

Anbieter dürfen maximal 45 Cent vor Steuern (statt 70 Cent) pro Megabyte Datenvolumen verlangen. Inklusive Steuern macht das 53,5 Cent (bisher 83,3 Cent). Erst seit Sommer 2012 gibt es solche Grenzen, vorher zahlte ein Nutzer oft bis zu 4 Euro. Ein Megabyte entspricht 100 Mails ohne Anhang, weniger als einer Stunde Internet-Surfen oder einer Minute Musik-Download im MP3-Format.

Was ist "Roaming" überhaupt?

Das Wort "Roaming" stammt aus dem Englischen und bedeutet in etwa "umherwandern". In der Welt der Telekommunikation steht es für die Möglichkeit, auch in ausländischen Mobilfunknetzen zu telefonieren. Die Anbieter verlangen für die Weiterleitung von Gesprächen und Daten Roaming-Gebühren. Diese machen laut EU-Kommission rund 4 Prozent des gesamten EU-Mobilfunkmarktes aus, etwa 5 Milliarden Euro Umsatz.

Was kann der Handynutzer im Urlaub und auf Geschäftsreise noch tun?

Auf den Warnhinweis achten, den er erhält, wenn beim Datenroaming eine bestimmte Kostengrenze erreicht ist. Die Handy-Mailbox sollte im Ausland ausgeschaltet oder nicht abgehört werden. Bei Smartphones sollte man einige Funktionen abschalten und beim Anbieter nach Paketen fürs Ausland wie etwa Tages-Flatrates fragen. Außerdem kann man im Ausland häufig kostenlose oder deutlich preiswertere WLAN-Zugänge erhalten, um E-Mails abzufragen oder im Netz zu surfen.

Wie reagiert die Telekom-Branche auf die Ansage aus Brüssel?

Mit Kritik. Seit Jahren argumentieren die Anbieter, die Kosten entstünden durch den Aufwand, sich gegenseitig grenzübergreifend Rechnungen zu stellen. Telekomfirmen bemängeln, dass die EU den Unternehmen systematisch die Gewinne und damit das Geld für Investitionen abgrabe.

Und wie sieht es aus beim Telefonieren außerhalb der EU?

Für Übersee oder Asien gelten die Regeln nicht. Die EU kann ihre Gesetzgebung nämlich nicht auf außereuropäische Länder anwenden.

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