Politik | Ausland
05.12.2011

Rebellen wollen Gaddafi aufgespürt haben

In Tripolis mehren sich die Gerüchte, dass Gaddafis Verhaftung kurz bevorsteht. Westliche Spezialeinheiten unterstützen indes die Rebellen.

Meter um Meter kämpfen sich die Rebellen im riesigen Tunnelsystem unter Diktator Gaddafis gestürmter Residenz Bab al-Aziziyah vor. Die unterirdischen Gänge, stellenweise so breit, dass auch Autos darin fahren können, reichen 30 Kilometer aus Tripolis hinaus. Bilder zeigten am Donnerstag Nachmittag, wie Rebellen mit Sturmgewehren in die Bunkeranlagen abstiegen - was in Tripolis umgehend für Optimismus sorgte: Laut Al Jazeera wird in der Hauptstadt immer offener damit gerechnet, dass die Verhaftung Gaddafis unmittelbar bevorstehen könnte.

Auf CNN behauptete der örtliche Kommandant einer libyschen Rebellen-Einheit indes, den untergetauchten Gaddafi woanders eingekreist zu haben: Gaddafi sei in einem Wohnkomplex nahe seines Militärhauptquartiers aufgespürt worden, sagte der Kommandant dem US-Nachrichtensender CNN.

Der Westen ist vorerst zurückhaltend, die Gerüchte wurden nicht kommentiert. Im Gegenteil: Alles deute darauf hin, verriet ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums dem Wall Street Journal, "dass sich der Diktator schon ein paar Tage vor dem Rebellen-Sturm auf Tripolis aus dem Staub gemacht hat."

Professionelle Hilfe

Auf ihrer Suche nach dem untergetauchten Gaddafi haben die libyschen Aufständischen Hilfe von höchst professioneller Seite, auch wenn dies von offizieller Seite stets bestritten wird. Mehrere Dutzend britische Elitesoldaten der SAS (Special Air Service) und der SBS (Special Boat Service) sollen bereits seit Wochen auf libyschem Boden operieren und bei der Koordinierung des Angriffes auf die Hauptstadt eine entscheidende Rolle gespielt haben. In ziviler Kleidung und mit den selben Waffen wie die Rebellen ausgestattet, mischten sie sich unter die Aufständischen, bereiteten gemeinsam Angriffstaktiken vor, stellten der NATO Informationen zur Verfügung, wann und wo diese bei ihren Angriffen auf die Gaddafi-Truppen die empfindlichsten Schläge erzielen konnten.

Aus Washington, London und Paris verlautet es gebetsmühlenartig: "Die NATO schickt keine Bodentruppen nach Libyen." Doch "militärische Berater und Beobachter", besonders aus Frankreich, Großbritannien, den USA und Katar haben mit den anfangs völlig versprengten Rebellen seit Monaten an der Schärfung ihrer Schlagkraft gearbeitet. Die dringend benötigten Waffenlieferungen für die Rebellen sollen vor allem aus Frankreich und Katar gekommen sein.

Geheimdienst-Agenten

Nach dem erfolgreichen Sturm der Rebellen auf Tripolis, das sie zu 95 Prozent kontrollieren, haben die britischen Elitesoldaten neue Befehle bekommen: Gemeinsame Jagd auf Gaddafi. Stützen können sie sich dabei auf die Informationen der ebenfalls bereits seit März geheim im Wüstenstaat agierenden Agenten der britischen MI6 sowie der CIA. Deren Aufgabe war es gewesen, Angriffsziele für die NATO-Luftschläge auszuspionieren (rund 8000 wurden bisher ausgeführt), aber auch zu erkunden, wohin sich Gaddafi im Falle einer Flucht retten würde.

"Wir haben schon unsere Ideen, wo er sich aufhalten könnte", gibt man sich in höheren Kreisen des US-Verteidigungsministeriums zurückhaltend. Gaddafi soll in den vergangenen Monaten außerhalb von Tripolis mehrere "sichere Häuser" zu wahren Bunkern ausbauen haben lassen. Mehrere davon befinden sich nahe seiner Geburtsstadt Sirte. Dort sammelt sich nun eine große Zahl von Rebellen - und erinnert sich an Saddam Hussein. Acht Monate lang war der gestürzte irakische Diktator wie vom Erdboden verschwunden gewesen, ehe er nächst seiner Heimatstadt Tikrit aus einem Erdloch gezerrt wurde.