Politik | Ausland
10.08.2017

Razzia im Morgengrauen bei Trump-Intimus

Russland-Affäre. Paul Manafort soll plaudern.

"Misstrauen". Das war bei den Ermittlern in der Russland-Affäre zuletzt ein häufig benutztes Wort im Zusammenhang mit Paul Manafort. Der über Honorar-Millionen für die Beratung des früheren ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Sommer 2016 gestolperte Ex-Wahlkampf-Manager von US-Präsident Donald Trump hat sich den Ruf eines gewieften Taktikers erworben. Über seine vielfältigen Russland-Connections gab er nur in homöopathischen Dosen Auskunft.

Also half das Team des Sonderermittlers Robert Mueller auf spektakuläre Weise nach. Im Morgengrauen wurde eine Privatwohnung Manaforts im idyllischen Alexandria vor den Toren Washington von einer Razzia heimgesucht. Der Besitzer lag laut Informationen des Magazins Politico noch im Bett.

Dabei wurden diverse Dokumente, Steuerunterlagen und Bankverbindungen beschlagnahmt. Weil der 68-Jährige bisher keiner Straftat beschuldigt worden ist, wächst das Interesse an der Frage nach den genaue Motiven des Einsatzes, der bereits am 26. Juli stattfand. Fest steht: Ein Richter muss erhebliche kriminelle Substanz erkannt haben, sonst wäre die Hausdurchsuchung nicht genehmigt worden.

Insider gehen laut Washington Post davon aus, dass Sonder-Ermittler Mueller den einst wichtigsten Mitarbeiter Trumps als Hebel benutzen will. Wozu? Um gegen Trump oder dessen Familien-Umfeld auszusagen, wenn es um die Verwicklung des Präsidenten-Clans in die russischen Sabotage-Manöver bei der Wahl im November geht.

Manafort ist der mit Abstand "russophilste" Kandidat, den Ex-FBI-Chef Mueller im Visier hat. Seine jahrelangen intensiven Verbindungen mit Moskau und Kreml-nahen Gestalten, darunter milliardenschwere Oligarchen wie Oleg Deripaska, hat ihm inzwischen den Verdacht der Geldwäsche eingebracht, wie das Wall Street Journal berichtete.

Gesprächsnotizen

Manafort hier dingfest zu machen, so die Theorie, könnte den gebürtigen Neuengländer aus Connecticut dazu bringen, sein Herrschaftswissen über die Innereien der Trump-Kampagne offen zu legen. Zum Beispiel über den Inhalt des ominösen Gesprächs, das Trumps ältester Sohn Donald Trump Junior und Schwiegersohn Jared Kushner im Sommer 2016 mit einer russischen Anwältin in New York geführt haben. Dabei soll es um belastendes Material über die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton gegangen sein. Manafort war anwesend und hat ausgiebig Notizen gemacht, schreiben US-Medien.