Politik | Ausland
10.01.2018

Rabbiner bei Angriff im Westjordanland getötet

Die israelische Armee sucht mit Hochdruck nach Tätern. Verteidigungsminister Lieberman kündigt unterdessen den Bau neuer Wohnungen in besetzten Palästinensergebiet an.

Nach einem tödlichen Anschlag auf einen Rabbiner im besetzten Westjordanland sucht die israelische Armee mit Hochdruck nach den Tätern. Mehrere Dörfer im Umkreis der Palästinenser-Stadt Nablus seien deshalb in der Nacht abgeriegelt worden, teilte das Militär am Mittwoch mit. Es seien Truppen zur Verstärkung in die Region verlegt worden. Der israelische Generalstabschef Gadi Eizenkot besuchte in der Früh den Ort des Anschlagsort.

Mutmaßlich palästinensische Täter hatten am Dienstagabend das Feuer auf das Auto eröffnet, in dem der 35 Jahre alte Bewohner der Kleinsiedlung Havat Gilad unterwegs war. Der Mann habe Schusswunden erlitten und sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, sagte ein Sprecher des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom am Dienstagabend.

Auto nahe jüdischer Siedlung beschossen

Das Auto des Rabbiners sei nahe der jüdischen Siedlung Havat Gilad östlich der palästinensischen Stadt Nablus beschossen worden, teilte die Armee weiter mit. Das Opfer konnte nach der Attacke noch mit seinem Handy Hilfe rufen, wie der israelische Rundfunk berichtete. "Ich wurde nahe Havat Gilad beschossen", sagte er demnach. Dem Bericht zufolge lebte der Mann in der jüdischen Siedlung. Der Rabbiner Raziel Shevah war nach Medienberichten sechsfacher Vater.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verurteilte den Angriff scharf und sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Die Sicherheitskräfte würden alles tun, um den Mörder zu finden. Staatspräsident Reuven Rivlin erklärte, die Täter würden gefasst und vor Gericht gestellt. Die Sicherheitskräfte würden verhindern, dass der "Terrorismus sich aufrichtet".

Hamas-Organisation lobt Tat

Der bewaffnete Arm der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, die Ezzedin-al-Qassam-Brigaden, lobte die Bluttat. Die "Operation in Nablus" sei "die erste bewaffnete Antwort, um die feindlichen Anführer und jene, die hinter ihnen stehen, daran zu erinnern, dass die Angst kommen wird".

Wie der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman am Dienstag ankündigte, wird Israel den Bau Hunderter weitere Wohnungen im besetzten Westjordanland billigen. Es gehe bei dem Behördenbeschluss um die Errichtung von 1.285 weiteren Wohneinheiten, die 2018 entstehen sollen, sowie die Planung von 2.500 neuen Einheiten in 20 verschiedenen jüdischen Siedlungen, hieß es.

Im besetzten Westjordanland leben rund 400.000 Israelis in Siedlungen. Die Vereinten Nationen sehen die Siedlungen als illegal an - und als großes Hindernis im Nahost-Friedensprozess.

Lieberman erwägt neue Siedlung

Lieberman lässt nach eigenen Angaben sein Ministerium auch überprüfen, ob der Außenposten Havat Gilad in eine dauerhafte Siedlung umgewandelt werden könnte. Israel unterscheidet selbst zwischen illegalen Siedlungen, wie Havat Gilad, und mit israelischer Genehmigung gebauten, wie etwa die Stadt Ariel.

Seit der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump von Anfang Dezember, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, wurden bei gewaltsamen Auseinandersetzungen im Westjordanland und an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel 14 Palästinenser und ein Israeli getötet. Die Lage hatte sich zuletzt aber deutlich beruhigt.