Privatfirmen schnüffeln für US-Geheimdienst

Edward Snowden
Foto: AP/Ewan MacAskill Tiefe Einblicke in die Daten der US-Geheimdienste: Edward Snowden werkte für eine private Firma.

Der Skandal rund um Aufdecker Edward Snowden zeigt auch, wie US-Geheimdienste privaten Firmen den Zugang zu heiklen Daten ermöglichen.

Namen von Undercover-Agenten der CIA auf der ganzen Welt, private Daten aller US-Geheimdienstmitarbeiter, Abhörprotokolle von Bürgern Dutzender Staaten: Für einen 29-jährigen Privatangestellten mit bescheidenem Schulabschluss war Edward Snowden mehr als gut informiert. Der Amerikaner, dessen Enthüllungen über die Datensammelwut des US-Geheimdienstes NSA weltweit für Empörung sorgen, hatte fast unbeschränkten Zugang zu dessen Servern. So konnte er nach Belieben Einblick in dessen Arbeit, aber auch die der anderen US-Geheimdienste nehmen. Während Snowden, der ja von Hawaii nach Hongkong geflohen war, in der asiatischen Metropole untergetaucht ist, haben seine Enthüllungen zu Hause eine heftige öffentliche Debatte entfacht. Es geht um die Erfassung, aber auch um den Umgang mit privaten oder sogar geheimen Daten durch die Geheimdienste. Diese erledigen einen Gutteil des durch den Anti-Terrorkrieg angewachsenen Arbeitsaufwands nicht mehr selbst, sondern haben diesen an private Firmen ausgelagert.

Eine der wichtigsten davon ist Snowdens Arbeitgeber, die Technologie- und Managementberatung Booz Allen Hamilton. Die Firma ist seit den Terroranschlägen des 11.September rasant gewachsen, und ihr fast alleiniger Arbeitgeber ist der Staat, darunter vor allem das Verteidigungsministerium, die Armee und die Geheimdienste. Wie private Söldner auf Kriegsschauplätzen wie dem Irak erledigen die Technologie-Firmen heikelste Aufgaben im Sicherheitsbereich, etwa das Verwalten von Verhördaten.

Eng mit Militär verflochten

Seine Pole-Position hat Booz Allen-Hamilton auch durch engste personelle Verflechtungen mit den Behörden. Wie im Fall des Ex-CIA-Angestellten Snowden wirbt man gezielt ehemalige Mitarbeiter dieser Behörden an. Diese nehmen oft nicht nur ihre guten Kontakte zum neuen Arbeitgeber mit, sondern - wie auch Snowden – ihren Zugang zu geheimen Daten. Was aber die Firmen tatsächlich mit diesen Daten anstellen, sei oft schwer zu durchschauen, wie Kritiker des Systems behaupten: „Es ist einfach schwierig zu erfahren, was diese Vertragsfirmen wirklich machen und unter welchen Bedingungen sie diese Arbeiten eigentlich machen dürften.“

Zwar durchlaufen die Mitarbeiter der beauftragten Firmen Sicherheitskontrollen, doch sind die einmal bestanden, stehen ihnen auf Dauer die Türen zu den heikelsten Daten offen. „Die Untersuchung muss sich darauf konzentrieren, zu klären, wie dieser Typ Zugang zu so einer erschreckenden Menge an Informationen hatte“, warnt ein ehemaliges Mitglied der NSA-Führung gegenüber der US-Zeitung Washington Post: „Oft sind die besten Spione, die man in ein System einschleust, genau die EDV-Experten, die irgendwo im Keller sitzen, weitreichenden Zugriff haben und so Spionage-Software ins System einschleusen können.“kurier.at/auslandMehr über das Datensammelprogramm Prism und Whistleblower Edward Snowden finden Sie online.

(kurier) Erstellt am
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