Politik | Ausland
10.04.2017

Le Pen provoziert mit Aussage zu Judenverfolgung

Die Präsidentschaftskandidatin leugnet Mitverantwortung Frankreichs bei der Massenfestnahme von Juden in Paris im Jahr 1942.

Mit der Leugnung einer Mitverantwortung Frankreichs an der Festnahme und Deportation tausender Juden in der NS-Zeit hat die Rechtspopulistin Marine Le Pen für Empörung gesorgt. Die Präsidentschaftskandidatin sagte am Sonntag mehreren französischen Medien, Frankreich sei "nicht verantwortlich" für die unter dem Namen "Rafle du Vel d'Hiv" bekannte Massenfestnahme von Juden in Paris im Jahr 1942.

"Wenn es Verantwortliche gab, dann waren es die, die damals an der Macht waren, es ist nicht Frankreich", sagte Le Pen. Französischen Kindern werde beigebracht, sich nur noch an die "dunkelsten Aspekte" der Geschichte des Landes zu erinnern, sagte die Front-National-Chefin. "Ich will, dass sie wieder stolz sind, Franzosen zu sein."

Kritik an Le Pen

Der Norden Frankreichs, einschließlich Paris, stand nach der Niederlage 1940 unter deutscher Militärverwaltung, der Süden unter Herrschaft des mit Nazideutschland kollaborierenden Vichy-Regimes von Philippe Petain. Nominell war dieser Führung der gesamte "Französische Staat" unterstellt, die facto jedoch nur die (bis November 1942) unbesetzten Gebiete ("Zone libre").

Der jüdische Dachverband CRIF warf Le Pen umgehend "revisionistische Äußerungen" und eine "Beleidigung Frankreichs" vor. Der sozialliberale Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron, der in Umfragen als einer der Favoriten gilt, sprach von einem "schwerwiegenden Fehler" der FN-Chefin.

Der konservative Politiker Christian Estrosi schrieb auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter, die 48-Jährige nehme wie ihr Vater Jean-Marie Le Pen Platz auf der "Bank der Schändlichkeit und der Leugnung" des Holocaust. Auch die israelische Regierung verurteilte Le Pens Äußerungen. Diese würden der "historischen Wahrheit" widersprechen, erklärte das Außenministerium.

"Das Vichy-Regime war nicht Frankreich"

Französische Polizisten hatten im Juli 1942 etwa 13.000 Juden im ehemaligen Pariser Radrennstadion Velodrome d'Hiver zusammengetrieben. Fast alle der anschließend deportierten Juden wurden in den NS-Vernichtungslagern ermordet. Erst 1995 bekannte sich der damalige konservative Präsident Jacques Chirac zu der "unauslöschlichen Schuld" Frankreichs gegenüber den Opfern. "Franzosen und der französische Staat" hätten den "verbrecherischen Wahnsinn der Besatzer" unterstützt.

Chiracs Vorgänger Charles de Gaulle - selbst Anführer des Kampfes gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg - und Francois Mitterrand hatten ein solches Eingeständnis stets abgelehnt. Sie argumentierten, dass das Vichy-Regime nicht Frankreich repräsentiert habe. An die Haltung der beiden früheren Präsidenten erinnerte am Sonntagabend auch Marine Le Pen und erklärte in einer Stellungnahme: "Das Vichy-Regime war nicht Frankreich." Es sei vielmehr "illegal" gewesen.