Polnische Aktivisten mobilisieren für die Ukraine

Eine Menschenmenge demonstriert mit Flaggen und Helmen in der Dunkelheit.
Große Solidarität herrscht in Polen mit den Protesten in Kiew / Aktivisten sammeln Unterstützung für die Ukraine.

Solidarisch mit dem Euromaidan“ – Tausende Ukrainer und Polen haben sich am Donnerstag in Warschau bei minus zwölf Grad versammelt, um eine freie Ukraine zu fordern und die Demos auf dem Maidan-Platz in Kiew zu unterstützen.

Schon im Vorfeld kam es in Polen immer wieder zu Manifestationen. In Polen arbeiten viele Ukrainer, mittlerweile studieren dort schon 10.000. Einer von ihnen ist der Wirtschaftsstudent Vladimir Honika aus Tarnopol. Er ist wie viele Landsleute „auf dem Sprung“. „Ich muss noch einige Prüfungen an der Uni ablegen, dann geht es nach Kiew“, meint er. „Wir müssen das aus eigener Kraft schaffen.“ Von europäischer Hilfe hält er persönlich nichts.

Parallele

Viele Polen sehen zunehmend eine Parallele zu ihrer Geschichte – als Regierungschef Wojciech Jaruzelski im Dezember 1981 staatsstreichartig die freie Gewerkschaft Solidarnosc verbieten und die wichtigsten Mitglieder inhaftieren ließ. Die Gazeta Wyborcza, die aus der Solidarnosc-Bewegung entstand, unterstützt darum die Demonstration auf dem Warschauer Verfassungsplatz.

In Warschau nimmt man die Lage im Nachbarland sehr ernst. Der „Nationale Sicherheitsrat“ bereitet sich auf eine Flüchtlingswelle vor, im Osten Polens könnten nach einer Vorbereitungszeit 150.000 Menschen aufgenommen werden.

Der ukrainische Politologe Oleksii Polegyi, ein Organisator der Manifeste in Warschau, hofft, dass es nicht so weit kommt. Schließlich sei es schon weit gekommen. „Hätte die EU früher Druck ausgeübt, gäbe es keine Toten bei den Demonstrationen.“ Sanktionen, wie sie mittlerweile auch Oppositionsführer Vitali Klitschko fordert, seien ein gutes Druckmittel, falls sich Janukowitsch nicht weiter bewege. Denn die Oligarchen, die über die Ukraine bestimmen, wollen ihre Geschäfte mit dem Westen weiter führen können. Den Rücktritt von Premier Azarow und der Regierung am Dienstag will er nicht überbewerten.

Medikamente sammeln

Vitali, der sich mit anderen Ukrainern in einem Lokal aufwärmt, glaubt nicht, dass Neuwahlen viel erreichen. „Das Land ist vollkommen korrupt, das System muss von Grund auf erneuert werden.“ Für die „ Nascha Ukraina“, die Partei des ehemaligen Präsidenten Viktor Juschtschenko, habe er 2007 bei den Parlamentswahlen kandidiert, und es sei nur um Geld gegangen.

In Kiew ist Berichten zufolge indes das Gesundheitssystem zusammengebrochen, es gibt Ambulanzen in Privatwohnungen, die dringend Material brauchen. Darum ist der zweite Zweck der Demonstration in Warschau, die auch von „Amnesty International“ unterstützt wurde, das Sammeln von Medikamenten.

„Jeder muss eine Verantwortung verspüren“, so die Künstlerin Anna Kosarevska, die Happenings plant, mit denen sie Polen für die Ukraine mobilisieren will. Auf ihrer Jacke klebt ein Sticker in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb: „Ohne Taten keine Hoffnung.“

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