Politik | Ausland 28.01.2015

Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel steigt aus

Zuerst trat Lutz Bachmann zurück, nun wirft Kathrin Oertel das Handtuch. © Bild: REUTERS/FABRIZIO BENSCH

Der Streit in der Führungsriege der islamkritischen Organisation eskaliert. Die Demo am Montag wurde abgesagt.

Die deutsche antiislamistische Pegida-Bewegung kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nicht Kundgebungen sorgen diesesmal für Diskussion, sondern erneut Unstimmigkeiten in der Führungsriege der Organisation. Nachdem Lutz Bachmann letzte Woche auf Facebook mit einem Hitler-Bart posierte und zurücktrat (mehr dazu lesen Sie hier), folgt nun der Rückzug Kathrin Oertels. Ebenso vier weitere Führungsmitglieder warfen das Handtuch, berichtete Stern-Online am Mittwoch. Das "Restteam" zog die Konsequenzen und sagte die Demonstration kommenden Montag in Dresden ab. Dies bestätigte ein Stadtsprecher in der sächsischen Landeshauptstadt.

"Sie hat sich aufgeopfert für unsere Sache"

Kathrin Oertel
Kathrin Oertel, co-leader of anti-immigration group PEGIDA, a German abbreviation for "Patriotic Europeans against the Islamizat… © Bild: REUTERS/FABRIZIO BENSCH
Wie Pegida auf Facebook mitteilte, legte Oertel ihr Amt als Sprecherin aufgrund von "massiven Anfeindungen, Drohungen und beruflichen Nachteilen" vorerst nieder. "Sie hat sich aufgeopfert für unsere Sache, wenn aber nachts schon irgendwelche Fotografen und andere komische Gestalten um ihr Haus schleichen, da kann man es der stärksten Frau nicht übelnehmen, wenn sie eine Auszeit braucht", heißt es in der Stellungnahme.

Lutz Bachmann bestätigte den Rückzug Oertels, schloss einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge aber seine eigene Person als Grund aus. Sie sei aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden, sagte er der Zeitung. Und er selbst sei auch froh, "da draußen zu sein". "Ich will gar nicht mehr", ergänzte der 42-Jährige , gegen den wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt wird. Stern-Online hatte wiederum berichtet, dass Bachmann entgegen seiner Ankündigung doch nicht ganz das Ruder aus der Hand geben will.

Pegida am Ende?

Der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke sieht angesichts der schweren Führungskrise keine Zukunft für das Bündnis. "Das ist der Anfang vom Ende der Pegida-Bewegung“, sagte Funke am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Derart viel Chaos könne das Bündnis nicht ertragen.

Mehr Gewalt gegen Flüchtlinge

In Hannover und Frankfurt ist es am Montag nach den Versammlungen von Gegnern und Anhängern der dortigen Pegida-Ableger zu Ausschreitungen gekommen. In Hannover wurden 29 Menschen verletzt, in Frankfurt 28; die meisten Verletzten waren Polizisten, wie die Polizeidirektionen mitteilten. In Dresden setzten 22.000 Menschen mit einem Konzert unter anderem mit Herbert Grönemeyer ein Zeichen für Toleranz.

Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" haben unterdessen ergeben, dass sich seit dem Beginn der Pegida die Gewalt gegen Flüchtlinge, Migranten und deren Unterkünfte in Deutschland mehr als verdoppelt hat.

Erstellt am 28.01.2015