Politik | Ausland
30.11.2017

Papst setzt Asienreise in Bangladesch fort

Sowohl Bangladeschs Präsident Abdul Hamid als auch Papst Franziskus äußerten sich zu Rohingya-Krise.

Nach Abschluss seiner Myanmarreise ist Papst Franziskus am Donnerstag nach Bangladesch weitergereist. Von den mehr als 160 Millionen Einwohnern des mehrheitlich muslimischen Landes sind nur 0,24 Prozent Katholiken. Nach Papst Johannes Paul II. ist Franziskus das zweite Katholiken-Oberhaupt, das Bangladesch besucht.

Nach einem Besuch des Nationalen Märtyrerdenkmals und des Bangabandhu Memorial Museums, der früheren Residenz des Staatsgründers Sheikh Mujibur Rahman, wurde der Pontifex von Bangladeschs Staatspräsident Abdul Hamid in der Hauptstadt Dhaka empfangen. Anschließend hielt das Katholiken-Oberhaupt eine Ansprache vor Diplomaten und Vertretern der Regierung.

Bangladesch dringt auf Rohingya-Rückkehr

Bangladeschs Staatspräsident Abdul Hamid hat vor den Augen von Papst Franziskus eine sichere Rückkehr der Rohingya-Flüchtlinge nach Myanmar angemahnt. Die notleidenden Menschen hätten in Bangladesch Schutz gesucht "vor den skrupellosen Gräueltaten der Armee in Myanmar", sagte Abdul Hamid am Donnerstag in der Hauptstadt Dhaka im Beisein von Franziskus sowie Regierungsvertretern und Diplomaten.

"Unsere Menschen haben sie mit offenen Armen willkommen geheißen." Nun sei es allerdings "unsere gemeinsame Verantwortung, für sie eine sichere, nachhaltige und würdevolle Rückkehr in ihre Heimat sowie eine Integration in das soziale, wirtschaftliche und politische Leben Myanmars zu gewährleisten".

Papst ruft zum Handeln auf

Papst Franziskus hat die internationale Gemeinschaft angesichts der Flüchtlingskrise der Rohingya zum raschen Handeln aufgerufen. "Es muss nicht nur daran gearbeitet werden, die politischen Fragen zu lösen, die zur Verschiebung der Menschenmassen geführt haben", sagte das Katholiken-Oberhaupt am Donnerstag in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, ohne die Rohingya allerdings direkt beim Namen zu nennen.

Er forderte zudem materielle Unterstützung für Bangladesch. Aus dem Bundesstaat Rakhine in Myanmar sind Hunderttausende Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit nach Bangladesch geflüchtet. Die Vereinten Nationen sprechen von "ethnischer Säuberung". Die Krise gilt als eine der derzeit größten humanitären Katastrophen der Welt.

Der Papst steht auch selbst in der Kritik, weil er bei der ersten Etappe seiner Reise in Myanmar jüngst die Flüchtlingskrise nicht direkt kritisiert und die Rohingya nicht namentlich genannt hatte. Hamid lobte den Papst nun: "Eure leidenschaftliche Stimme gegen solche Brutalität machen Hoffnung auf eine Lösung der Krise."

Über 600 000 Rohingya in Bangladesch

Seit August sind mehr als 620.000 Menschen vor Gewalt von Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen, wo sie unter notdürftigsten Umständen leben. Beide Länder unterschrieben vergangene Woche eine Vereinbarung über eine Rückführung der Flüchtlinge. Die meisten Rohingya lehnen eine Rückkehr allerdings ab. Bei seinem dreitägigen Aufenthalt in Dhaka ist am Freitag ein interreligiöses Treffen angesetzt, bei dem Rohingya dabei sein sollen.