Politik | Ausland 05.12.2011

Panarabische Mega-Brücke entsteht

Ägypten/Saudi-Arabien: Kairo gab jetzt grünes Licht für die Verbindung über das Rote Meer. Das könnte Zoff mit Israel bedeuten.

Für die Araber könnte bald ein Traum wahr werden: Denn mit dem geplanten Brückenschlag von der ägyptischen Sinai-Halbinsel nahe dem Badeort Sharm el Sheikh nach Saudi-Arabien wird erstmals seit der Staatsgründung Israels (1948) eine Direktverbindung auf dem Landweg sozusagen zwischen Nordafrika und den arabischen Brüdern auf dem asiatischen Kontinent entstehen. Riskante Überfahrten über das Rote Meer mit Fähren werden der Vergangenheit angehören.

32 Kilometer lang soll, laut Informationen von Spiegelonline , die panarabische Mega-Brücke in der Meeresstraße von Tiran werden. Kostenpunkt des Bauwerks: rund fünf Milliarden Dollar. Vor allem ägyptische Pilger und Gastarbeiter, deren Zahl in Saudi-Arabien auf zwei Millionen geschätzt wird, werden von der "Brücke der Freundschaft und Hoffnung", wie die Verbindung genannt wird, profitieren.

Zugleich erwarten sich beide Staaten auch touristische und ökonomische Impulse. Denn neben Fahrbahnen für Autos und Lastkraftwagen ist auch eine Bahntrasse vorgesehen. Die Brücke wird so zu einer wichtigen Handelsroute von und zu den aufstrebenden Wirtschaftsmächten Indien und China.

Israel ist ganz und gar nicht begeistert von den Plänen. Es führt Sicherheitsbedenken ins Treffen und hat schon einmal massiv gegen das bereits seit 1988 diskutierte Projekt lobbyiert. Aus diesem Grund hatte der damalige ägyptische Staatschef Hosni Mubarak vor fünf Jahren den Beginn der Bauarbeiten im letzten Moment gestoppt.

Härte gegen Israel

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© Bild: ap

Doch die Zeiten haben sich geändert, zumindest im Land der Pharaonen hat der "arabische Frühling" Einzug gehalten. Und in Saudi-Arabien weist man etwaige israelische Störmanöver schon im Vorfeld zurück: "Wir lassen uns von niemandem in unsere Baupläne hineinreden. Bei der Straße von Tiran handelt es sich um internationale Gewässer", so ein Regierungssprecher in Riad.

Politische Beobachter halten den Zeitpunkt der Bekanntgabe des Brücken-Projekts für eine gezielte Aufwertung der ägyptischen Führung, die stark unter Druck steht.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011