Politik | Ausland 22.07.2017

Palästinenser frieren Beziehungen zu Israel ein

Proteste von Palästinensern. © Bild: REUTERS/IBRAHEEM ABU MUSTAFA

Beziehungen sollen erst wieder aufgenommen werden, wenn die Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg aufgehoben werden. Bei Protesten starben drei Palästinenser. Bei Anschlag in Westjordanland wurden drei Israelis getötet.

Der Streit um den Tempelberg in Jerusalem ist gefährlich eskaliert: Mindestens drei Palästinenser wurden am Freitag bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften getötet und rund 400 weitere verletzt. Anschließend tötete ein palästinensischer Attentäter in einer Siedlung im Westjordanland drei Israelis. Wegen des Konflikts brachen die Palästinenser sämtliche Kontakte zu Israel ab.

Streitpunkt sind Metalldetektoren, die Israel nach einem tödlichen Anschlag am Tempelberg an Eingängen zu der heiligen Stätte aufgestellt hat. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte am Abend nach einem Krisentreffen seiner Regierung, der Abbruch der Kontakte auf allen Ebenen gelte solange, bis die "Besatzungsmacht" Israel die Maßnahmen aufhebe. Zuvor hatte er die USA um eine sofortige Intervention gebeten, um den Abbau der Detektoren zu erzwingen und die Lage nicht außer Kontrolle geraten zu lassen.

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Palestinians react following tear gas that was shot by Israeli forces after Friday prayer on a street outside Jerusalem's Old ci… © Bild: REUTERS/AMMAR AWAD

Messerattacke in Wohnhaus

Bei der Messerattacke in einer Siedlung im Westjordanland wurden am Freitagabend drei Israelis getötet. Der palästinensiche Angreifer war in ein Wohnhaus in der Siedlung Neve Zuf bei Ramallah eingedrungen, in der eine Familie gerade zu Abend aß. Der Attentäter tötete mit einem Messer den Großvater sowie dessen erwachsenen Sohn und Tochter. Die Enkelkinder waren nach Medienberichten in einem Nebenraum versteckt. Die Großmutter wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der Angreifer wurde durch Schüsse verletzt und festgenommen. Nach israelischen Medienberichten hatte der Palästinenser vor dem Anschlag einen Text bei Facebook veröffentlicht, der die Tat mit den jüngsten Konfrontationen um den Tempelberg in Verbindung bringt.

Israels Armee nahm Bruder des Attentäters fest

Am Samstag sind israelische Soldaten in den Heimatort des Attentäters eingedrungen. Sie hätten in dem Ort bei Ramallah das Haus des 19-Jährigen durchsucht und seinen Bruder festgenommen, berichteten israelische und palästinensische Medien. Eine Armeesprecherin sagte, man prüfe die Berichte.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas begrüßte den Anschlag in der Siedlung als "heroisch" und als "Resultat der Vergehen des zionistischen Besatzers und seiner Verbrechen gegen unser Volk in Jerusalem und der Al-Aksa-Moschee".

Proteste und Gebete auf den Straßen

Israel hatte am Freitag seine Sicherheitskräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und aus Furcht vor neuer Gewalt nur Männern über 50 Jahren und Frauen den Zutritt zu der Stätte erlaubt, die Muslimen und Juden heilig ist. Palästinensische Repräsentanten hatten Muslime aufgefordert, in Massen zum Freitagsgebet auf dem Tempelberg zu kommen.

Hunderte jüngere Männer, denen der Zugang verwehrt wurde, beteten dann auf der Straße außerhalb der Altstadtmauern. Auch an Militärsperren im Westjordanland beteten Muslime, die keine Einreisegenehmigung erhielten. Nach Polizeiangaben griffen Muslime nach dem Gebet Sicherheitskräfte mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Brandflaschen an. Vier Polizisten seien verletzt worden.

Nach palästinensischen Angaben setzte Israel Tränengas und Geschoße gegen die Demonstranten ein. Das palästinensische Gesundheitsministerium teilte mit, mehrere Verletzte schwebten nach den Unruhen noch in Lebensgefahr.

Die Palästinenser lehnen die Kontrollen durch Metalldetektoren ab. Dass diese aufgestellt wurden, werten sie als Versuch Israels, seine Kontrolle über die heilige Stätte auszuweiten. Israel betont aber, es wolle den Status quo nicht verändern. Die Kontrollmaßnahmen wurden nach einem blutigen Anschlag am Tempelberg vor einer Woche eingeführt, bei dem zwei israelische Polizisten und drei arabische Angreifer getötet worden waren.

Am Tempelberg in Jerusalems Altstadt entzünden sich immer wieder religiöse Spannungen. Muslime verehren ihn als "Haram al-Scharif" (Edles Heiligtum). Der Überlieferung nach standen dort früher die jüdischen Tempel, heute beten an der Stelle Muslime in der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom mit seiner vergoldeten Kuppel.

( Agenturen , tsc/tem ) Erstellt am 22.07.2017