Die sieben Attentäter der Schule von Peshawar – unmittelbar vor dem Massaker: 155 Todesopfer

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Pakistan
12/20/2014

Terroristen: "Wir haben alle Kinder getötet, was jetzt?"

Die Taliban, die in einer Schule 155 Menschen erschossen haben, erhielten ihre Mord-Anweisungen per Handy. Pakistan lässt erste Terroristen exekutieren.

von Ingrid Steiner-Gashi

Die Anweisungen für das verheerendste Attentat, das Pakistan in den vergangene Jahren erleben musste, kamen per Telefon. Die gab Kommandant "Umar" – einer der Militärführer der pakistanischen Taliban-Milizen. In sicherer Entfernung vom Ort des Massakers ließ er sich über Handy von den sieben losgeschickten Taliban-Kämpfern informieren. "Wir haben alle Kinder im Versammlungssaal getötet. Was sollen wir jetzt tun?" fragte einer der Attentäter den Befehlsgeber.

Wohl wissend, dass er mit Sicherheit von mehreren Geheimdiensten abgehört wird, antwortete Umar in aller Ruhe: "Wartet auf die Soldaten. Tötet sie, bevor ihr euch in die Luft sprengt."

Aufgezeichnete Gespräche

Die genaue Abschrift der Telefongespräche während der siebenstündigen Terroraktion liegen dem Geheimdienst Pakistans vor. Ein kleiner Teil davon wurde nun einigen Lokalmedien der Stadt Peshawar zugespielt. Der Selbstmordbefehl "Umars" an seine Kämpfer war das Ende der Konversation. Unmittelbar danach stürzten sich zwei Taliban in einen tödlichen Schusswechsel mit der Armee, die anderen fünf zündeten ihren Sprengstoffgürtel.

In der Versammlungshalle der Militärschule hatten die Taliban besonders grausam gewütet. Allein hundert Buben im Alter zwischen 12 und 18 Jahren hatten hier ihr Leben lassen müssen. Zwei Teenager waren sogar enthauptet worden, wie die Ermittlungen ergeben haben.

Dennoch wurden einige Überlebende gefunden. Darunter der 18-jährige Schüler Amir Amin. Er hatte einen Bauchschuss erlitten. "Ich lag eine Stunde auf dem Boden und hatte schreckliche Schmerzen, aber ich habe mich nicht bewegt", schilderte der Jugendliche einem lokalen TV-Sender. Immer mehr Blut sei aus seiner Wunde gesickert. "Aber die Terroristen haben nicht mehr auf mich geschossen, weil sie dachten, ich sei tot." Andere Überlebende schilderten, wie die bewaffneten Männer die verängstigten Buben unter Tischen und hinter Sesseln hervorzogen und sie erschossen.

Hinrichtungen

In einer Reaktion auf das Schulmassaker hat die Führung in Islamabad nun mit der Hinrichtung verurteilter Terroristen begonnen. Sechs Todesurteile wurden bereits am Donnerstag vom Armeechef unterzeichnet, zu den ersten beiden Hinrichtung kam es am Freitag. Die Verurteilten wurden gehängt. Weitere 17 Terroristen könnten nächste Woche exekutiert werden.
In Pakistan hatte seit 2008 ein Moratorium für die Todesstrafe gegolten – bis zum Tag des Schulmassakers.

Am Samstag sind zudem bei Gefechten und einem US-Drohnenangriff in den Stammesgebieten im Nordwesten Pakistans nahe der Grenze zu Afghanistan am Samstag mindestens zwölf Kämpfer der radikalislamischen Taliban getötet worden. Zwei Extremisten wurden nach offiziellen Angaben bei einer Razzia in der Stadt Shabqadar etwa 30 Kilometer nördlich von Peshawar getötet.

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