Politik | Ausland
28.06.2017

Ostafrika: Ministerrat beschließt 4-Mio.-Euro-Hilfe

Die Caritas lobt die Beudgeterhöhung prinzipiell, für sie wie SPÖ und Grüne ist der Betrag aber nicht hoch genug.

Unterschiedliche Reaktionen hat es am Mittwoch auf die im Ministerrat beschlossenen Hilfe von vier Millionen Euro für Ostafrika und einer weiteren für Syrien gegeben. Die Caritas begrüßte die angekündigten Mittel aus dem Auslandskatastrophenfonds (AKF). Die SPÖ forderte "entschlossenere Hilfsprojekte" und "mutigeres Engagement", die Grünen kritisierten Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) als "Ankündigungsminister". Sie alle halten den Betrag noch nicht für ausreichend.

Die zugesagten Hilfsmaßnahmen - jeweils eine Million Euro für Äthiopien, Kenia und Syrien und zwei Millionen Euro für Uganda (davon eine Million aus dem Budget der Austrian Development Agency, ADA) - seien "dringend notwendig", erklärte Caritas-Präsident Michael Landau in einer Aussendung. Er begrüßte die Ausweitung, angesichts der dramatischen Situation in Ostafrika müsse die Hilfe aber noch ausgeweitet werden, 166 Millionen US-Dollar an Hilfsgeldern seien beispielsweise für Kenia notwendig, erklärte Landau. Er erinnerte die Bundesregierung an ihre "langjährige Zusage", 0,7 Prozent der Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) auszugeben. Österreich verpasst dieses Ziel bei weitem und gibt auch im internationalen Vergleich wenig für EZA aus.

"Nicht ausreichend"

Die SPÖ-Sprecherin Christine Muttonen kritisierte Kurz für die "nicht ausreichende" Hilfe. "Während manche darüber reden, wie man einen 'Grenzzaun' durchs Mittelmeer ziehen könnte, spielt sich in der Sahelzone, am Horn von Afrika und im Jemen eine beispiellose Hungerkatastrophe ab. Eine Hungerkatastrophe, die Millionen neue Flüchtlinge hervorbringt und eine ganze Region destabilisieren könnte", betonte sie. Der Außenminister "sollte wissen, was passiert, wenn wir nicht rechtzeitig und ausreichend vor Ort helfen", erklärte Muttonen.

Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Tanja Windbüchler, kritisierte, dass Kurz im außenpolitischen Ausschuss zwar drei Millionen Euro für Uganda angekündigt hatte, nun aber nur zwei Millionen vom Ministerrat beschlossen wurden. Ausreichend humanitäre Hilfe bereitzustellen, sei eine "Verpflichtung von wohlhabenden EU-Staaten wie Österreich gegenüber wirtschaftlich schwächeren Ländern des Globalen Südens, die ein Vielfaches an Flüchtlingshilfe vor Ort leisten müssen".

Franz-Joseph Huainigg, Sprecher für Internationale Zusammenarbeit der ÖVP, begrüßte die zugesagten Mittel und machte sich dafür stark, die "Wurzeln der Fluchtbewegung anzugehen", so Huainigg mit Blick auf die Situation im Südsudan. Ein Großteil der Flüchtlinge, die Uganda in den vergangenen Monaten aufgenommen hat, stammt aus dem jüngsten Staat der Welt. Seit dem dortigen Ausbruch des Bürgerkrieges sind rund 1,8 Millionen Menschen, darunter mehr als eine Million Kinder, in Nachbarländer geflohen.

20.000 Kinder könnten in Somalia an Hunger sterben

In Teilen eines anderen ostafrikansichen Landes, Somalia, könnten wegen der anhaltenden Dürre bald mindestens 20.000 Kinder an den Folgen von Unterernährung sterben. Die Ergebnisse einer neuen Erhebung in neun Bezirken zeigten einen dramatischen Anstieg von schwerer, akuter Mangelernährung bei Kleinkindern, einem lebensbedrohlichen Zustand, erklärte die Hilfsorganisation Save the Children am Donnerstag.

Um die Hungerkrise zu bekämpfen, seien dringend mehr Mittel nötig. Von den bisher nach UN-Angaben für 2017 benötigten 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) seien erst 560 Millionen Dollar eingegangen.

Bei der letzten Hungersnot in Somalia 2011 waren rund 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Wegen der derzeitigen Hungerkrise in dem Land am Horn von Afrika sind UN-Angaben zufolge 6,7 Millionen Menschen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung - auf Hilfe angewiesen. Über 400.000 Kinder sollen demnach dieses Jahr an Mangelernährung leiden. Kinder bis zu fünf Jahren sind wegen ihres schwachen Immunsystems meist die ersten Opfer einer Hungerkrise. UN-Angaben zufolge sind dieses Jahr bereits rund 800 Menschen in Folge von schweren Durchfallerkrankungen oder Cholera gestorben.