Zuvor wurde diskutiert, die C-Waffen im NATO-Mitgliedsland Albanien zu zerstören. Dort gab es heftige Proteste dagegen (siehe Bild).

© Reuters/ARBEN CELI

Syrien
11/30/2013

C-Waffen sollen auf dem Meer vernichtet werden

Die USA werden einen Teil der syrischen C-Waffen per Hydrolyse-Verfahren auf einem Schiff zerstören.

Mitte November verabschiedete die OPCW einen Plan zur Vernichtung der syrischen C-Waffen. Das Problem dabei: Kein Land erklärte sich bereit, dies auf seinem Territorium zu vollziehen.

Albanien war zuletzt ein Kandidat - und lehnte ab. Das Land war ins Gespräch gekommen, weil es 2007 seine C-Waffenbestände aus früheren, kommunistischen Zeiten zerstört hatte. Zuvor hatte etwa schon Norwegen Nein gesagt.

Damit ging die Suche nach einem geeigneten Ort für die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen weiter. Nun scheint aber fix: Ein Teil der syrischen Chemiewaffen-Bestände wird nach Angaben der zuständigen Experten von den USA auf dem Meer zerstört werden. Wie die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) am Samstag in Den Haag mitteilte, werden die C-Waffen auf einem US-Schiff mit dem sogenannten Hydrolyse-Verfahren unschädlich gemacht.

1300 Tonnen

Laut Experten gibt es in Syrien rund 1300 Tonnen Giftstoffe für Waffen oder deren Vorprodukte. Nach OPCW-Angaben wurden von den 23 erklärten Chemiewaffenstandorten in dem Bürgerkriegsland alle bis auf einen fristgerecht überprüft.

Gemäß einer vom UN-Sicherheitsrat im September verabschiedeten Resolution, die unter dem Eindruck eines drohenden US-Luftangriffs auf Syrien verabschiedet wurde, muss das C-Waffen-Arsenal von Machthaber Bashar al-Assad bis Mitte 2014 vollständig vernichtet sein.

Nicht das erste Mal

Experten zufolge ist eine Zerstörung der C-Waffen auf einem Schiff oder einer schwimmenden Plattform technisch machbar. Sowohl die USA als auch Japan haben auf diese Weise bereits C-Waffen beseitigt: Die USA in den 1990er-Jahren auf einem Pazifik-Atoll und Japan 2004 bis 2006 vor dem Hafen Kanda. Allerdings sei dies noch nie in einem solchen Umfang geschehen, wie es bei den syrischen Waffen nötig wäre, hieß es.

Österreicher organisiert Zerstörung von C-Waffen

Ob die von Österreich angebotenen Chemiewaffen-Experten bei der Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals zum Einsatz kommen, wird erst kommenden Freitag von der UNO festgelegt. Denn bis dahin wird auf einer Planungskonferenz in Zypern der genaue Fahrplan und damit auch der Personal- und Materialbedarf erarbeitet. Was aber bisher in der Öffentlichkeit nicht bekannt war: Bereits jetzt ist der Österreicher Franz Krawinkler als Logistik-Chef federführend beteiligt. Er brachte die ersten Expertenteams ins Kriegsgebiet und richtet eine Logistik-Basis für die nachfolgenden Truppen auf Zypern ein.

Der 55-jährige Ministerialrat aus dem Verteidigungsministerium ist Logistikchef der „Organisation für das Verbot chemischer Waffen“ (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons, OPCW). Das ist eine internationale Organisation der Vertragsstaaten der Chemiewaffenkonvention.

Aufklärung

Basierend auf einer UN-Resolution ist die OPCW bereits seit 1. Oktober mit einem 60-köpfigen Team in Syrien. Der Auftrag ist es, die syrischen Produktionsstätten und Chemiewaffenlager aufzuklären und deren Vernichtung vorzubereiten. Die Vernichtung soll bis 30. Juni 2014 abgeschlossen sein.

Für Franz Krawinkler begann der Einsatz mit dem Vorkommando bereits am 27. September in Beirut. Er bekam den Auftrag, die ersten Experten-Teams nach Syrien zu bringen.

Zuerst mussten in Beirut die Absprachen mit den örtlich vorhandenen UN-Organisationen und Behörden durchgeführt werden. Zwei Tage später wurde mit einer deutschen Chartermaschine das Gerät angeliefert und der erste Trupp mit 19 Inspektoren in Marsch gesetzt. Von der syrischen Grenze weg wurden die Inspektoren von UN-Security-Einheiten betreut. Bisher gelang es ihnen, 14 Chemiewaffen-Anlagen zu verifizieren. Einige Produktionsanlagen wurden auch bereits zerstört.

Die OPCW zeigt sich aber besorgt um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Die Inspektoren berichten von Granatwerferfeuer und Autobomben in der Nähe ihres Hotels in Damaskus. Für ihren persönlichen Einsatz haben sie schon während des erst anlaufenden Einsatzes den Friedensnobelpreis 2013 erhalten.

Krawinkler hielt von Beirut aus die Versorgung aufrecht. Jetzt ist er aber am Weg nach Zypern. Denn der Libanon scheint für die nun anlaufende UN-Chemiewaffenvernichtungsaktion wenig geeignet.

Die Regierung Zyperns hat aber die Insel als Logistikbasis angeboten. Dort ist Krawinkler schon in Verhandlung mit den UN-Kameraden von UNFICYP – jener UNO-Friedenstruppe, die in der Pufferzone zwischen der türkischen und der griechischen Bevölkerungsgruppe stationiert ist. Bei UNFICYP sind genügend Lagerhallen und Unterkünfte für die Versorgung der Chemiewaffeninspektoren vorhanden.

Verhandlungen mit der UNO gehören für Krawinkler zur Routine. Er hat schon insgesamt sieben Jahre Friedenseinsätze bei den Vereinten Nationen in Zypern, Syrien, im Iran und in Indonesien absolviert.

Die Bereitwilligkeit der zypriotischen Regierung ist wohl der Grund, warum die Planungskonferenz für die Chemiewaffenvernichtung ab Dienstag auf Zypern stattfinden wird. Die OPCW soll für die technische Durchführung zuständig sein, die UNO übernimmt die koordinierende Rolle.

Nervengas

Die logistische Herausforderung ist enorm: In syrischen Arsenalen werden bis zu 1000 Tonnen Chemiewaffen vermutet, darunter das Hautgift Senfgas oder das Nervengas Sarin. Kampfstoffe werden entweder in ihre chemischen Bestandteile zerlegt, oder in Hochtemperaturöfen verbrannt. Im Idealfall wird eine Anlage in Syrien gebaut. Doch in einem Bürgerkriegsland wurde noch nie eine Chemiewaffenvernichtung durchgeführt.

Österreich hat zusätzlich zu Krawinkler fünf Chemiewaffenspezialisten für die Zerstörungsarbeit und eine Transportmaschine C-130 Hercules für Transportaufgaben angeboten.

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