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Politik Ausland
09/19/2012

Obama nutzt Romney-Panne genüsslich aus

Der US-Präsident kritisiert die Aussagen seines Rivalen in der TV-Show von David Letterman scharf: "Ein Staatschef muss für alle arbeiten".

Die Steilvorlage konnte er natürlich nicht auslassen: US-Präsident Barack Obama hat mit scharfer Kritik auf die abschätzigen Äußerungen seines Herausforderers Mitt Romney über einen Teil der amerikanischen Wähler reagiert. Romney schreibe einen großen Teil des Landes ab, sagte Obama in einem Interview des Fernsehsenders CBS am Dienstag. "Als Präsident habe ich gelernt, dass man das ganze Land repräsentiert", sagte Obama.

Er selbst habe bereits in seiner ersten Rede nach seinem Wahlsieg 2008 klar gemacht, dass er sein Amt als Dienst an allen Amerikanern verstehe. "Ich habe noch in der Wahlnacht gesagt: Auch wenn ihr mich nicht gewählt habt, höre ich eure Stimmen und ich werde so hart wie es geht daran arbeiten, euer Präsident zu sein", sagte Obama unter dem Applaus des Studiopublikums in der populären Late-Night-Show von Moderator David Letterman.

"Wir machen alle Fehler"

Romney übt sich indes in Schadensbegrenzung. In einem Interview mit dem Sender Foxnews versuchte er, seine abschätzigen Kommentare als Beweis für das unterschiedliche Weltbild der beiden Rivalen darzustellen. "Der Präsident will einen größeren Einfluss der Regierung. Sie soll das Geld von oben herab verteilen. Ich halte das für den falschen Kurs. Der richtige Kurs ist: Wachstum und Wohlstand schaffen", sagte der Multimillionär. Auch Ann Romney rückte zur Verteidigung ihres Gatten aus. Ihr Mann habe die armen Leute in Amerika keinesfalls beleidigen wollen, ganz im Gegenteil, er habe großes Mitgefühl mit ihnen, versicherte sie auf Fox31-Denver.

Der Multimillionär hatte während einer exklusiven Wahlkampfveranstaltung über die Anhänger von Obama erklärt, sie sähen sich als Opfer und setzten nur darauf, dass der Staat sie unterstützen müsse. Der Auftritt während einer Spendengala im Mai war heimlich mitgeschnitten und am Montag veröffentlicht worden. "Es sind 47 Prozent, die zu ihm (Obama) halten, die abhängig sind von der Regierung, die sich als Opfer sehen und die glauben, dass die Regierung sich um sie kümmern muss", sagt Romney in dem mit versteckter Kamera gedrehten Mitschnitt abfällig. "Es ist nicht mein Job, mir um diese Leute Sorgen zu machen", fügte er mit Blick auf die Anhänger Obamas hinzu.

"Wir machen alle Fehler", sagte Obama dazu nun in der CBS-Sendung Late Show von Moderator David Letterman. Der US-Präsident spielte damit auf seinen Sager aus dem Wahlkampf 2008 an, als er weißen Amerikanern unterstellte, sich wegen ihrer wachsenden finanziellen Probleme an Waffen oder Religion zu klammern. Er habe diese Aussage aber unmittelbar danach bedauert. "Worüber die Menschen Klarheit haben wollen, ist, dass man nicht einen Großteil von ihnen nach Verlusten und Gewinnen ablegt", fügte er hinzu.

US-Einrichtungen schützen

Obama äußerte sich bei David Letterman auch zu den blutigen Unruhen rund um den in den USA produzierten antiislamischen Film - allerdings ohne dabei ins Detail zu gehen. Der Präsident fordert die Moslems weltweit auf, US-Einrichtungen weltweit zu schützen. "Die Botschaft, die wir an die islamische Welt haben, ist, dass wir Zusammenarbeit erwarten, um unsere Leute zu schützen. Das ist der einzig mögliche Weg", sagte Obama.

Seit dem Bekanntwerden des in Kalifornien produzierten Films in der vergangenen Woche hat es in zahlreichen Städten in der islamischen Welt Proteste gegen die USA gegeben. Immer wieder ist es dabei zu Gewaltausbrüchen und Attacken auf die diplomatischen Vertretungen der USA gekommen. Beim schwersten Vorfall wurden im libyschen Benghazi US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Amerikaner getötet.

Obama fünf Punkte vorn

Im Duell zwischen Obama und Romney hatte es lange Zeit nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Wahl am 6. November ausgesehen. Eine ganze Reihe von Pannen in Romneys Wahlkampf warf diesen jedoch zurück. Sieben Wochen vor dem Urnengang liegt der Präsident nun in der jüngsten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos fünf Punkte vor Romney.

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