Flüchtlinge auf Fahrrädern in Nikel, auf der russischen Seite der Grenze.

© REUTERS/STRINGER/RUSSIA

Flüchtlingskrise
11/06/2015

Mit dem Fahrrad auf der kältesten Fluchtroute

Arktische Route: Warum immer mehr Flüchtlinge versuchen, mit dem Fahrrad von Russland nach Norwegen zu kommen.

Es ist ein seltsames Bild, das sich da an der norwegisch-russischen Grenze bietet. Kleine Gruppen überkreuzen trotz Schnee und Kälte auf Fahrrädern den Grenzübergang. Manche fahren zügig, manche durchaus wackelig. Es sind Flüchtlinge, die sich so einen Weg nach Europa und in die EU erhoffen. Norwegen ist zwar nicht Teil der Union, gehört aber zum Schengenraum.

2.000 in drei Wochen

Immer mehr Asylwerber sind in diesem Herbst zur einzigen Übergangsstelle an der streng bewachten Grenze zwischen Norwegen und Russland, 400 Kilometer nördlich des Polarkreises, gekommen. Rund 2.000 waren es alleine in den vergangenen drei Wochen. Am Dienstag gab es mit 199 Flüchtlingen einen neuen Tagesrekord. "Seit August hat die Nummer stetig zugenommen", erzählt ein Grenzbeamte gegenüber CNN.

Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren registrierte Norwegen nur ein paar Dutzend Ankünfte jährlich. Da war die "arktische Route" noch so gut wie unbekannt. Der Anstieg ist auch mit der Debatte um Grenzzäune und -kontrollen zu erklären. Dies hat sich herumgesprochen, immer mehr Flüchtlinge versuchen auszuweichen. Zum Großteil stammen die Asylwerber aus Syrien, viele auch aus Afghanistan und dem Irak.

Russisches Visum

Die "arktische Route" ist eine deutlich sicherere Option als von der Türkei aus auf die griechischen Inseln und dann weiter über den Balkan, erzählen Flüchtlinge gegenüber Journalisten. Und um einiges sicherer als der Weg über Nordafrika und das Mittelmeer. Laut CNN haben viele von ihnen ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung für Russland. Die meisten Flüchtlinge würden nach Moskau fliegen und von dort weiter Richtung Norwegen reisen, berichtet auch die New York Times. Meist geht es mit Zügen in die westrussische Stadt Murmansk, dann weiter mit Taxis zur Grenze.

Kein Einlass zu Fuß

Die letzten hundert Meter, von Russland ins norwegische Storskog, rollen die Flüchtlinge dann auf Fahrrädern. Grund dafür ist eine Einigung aus 2003: Wer nicht auf mindestens zwei Rädern am russischen Kontrollposten ankommt, darf nicht ausreisen. Nur für Kleinkinder und Schwangere mache man eine Ausnahme.

Auf der russischen Seite verlangen Händler mittlerweile Wucherpreise für schrottreife Fahrräder. Nicht wenige Flüchtlinge fahren damit zum ersten Mal überhaupt mit einem Rad. Einmal auf norwegischen Territorium angekommen, wird es entsorgt: Hinter dem kleinen Abfertigungsgebäude am Grenzposten türmt sich bereits ein Berg von Fahrrädern.

Strenge Asylpolitik: Sofort abgeschoben

Mit offenen Armen empfangen werden die Asylwerber aber auch in Norwegen nicht: Das umstrittene Asylrecht ist streng, Asylverfahren von Personen aus sicheren Herkunftsländern wickeln die Behörden in einem 48-Stunden-Schnellverfahren ab. Die konservativ-rechtspopulistische Regierungskoalition will so viele wie möglich wieder nach Russland abschieben, da sie dort "ausreichend gut versorgt werden". Immer wieder stranden Flüchtlinge nun auf der russischen Seite und dürfen nicht weiter. Afghanen würden zudem sofort abgeschoben, so Zeitungsberichte.

Um weitere von einer Reise mit dem Fahrrad abzuhalten, schaltet die Regierung nun auch Anzeigen mit entsprechenden Warnungen in russischen Zeitungen.

Die Grenzstation zwischen Russland und Norwegen, 400 km nördlich des Polarkreises.

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