Politik | Ausland
22.09.2017

Jong-Un/Trump: "Verrückter" vs. "seniler US-Greis"

Der nordkoreanische Machthaber droht Donald Trump wegen dessen Rede bei der UN-Vollversammlung in New York. Das Land ziehe ernsthaft in Erwägung, eine "harte Gegenmaßnahme auf höchstem Niveau in der Geschichte" auszuüben.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat US-Präsident Donald Trump nach dessen jüngsten Drohungen gegen sein Land gewarnt, er werde dafür "teuer bezahlen". "Ich werde den Mann, der die Hoheit über das Oberkommando in den USA hat, für seine Rede teuer bezahlen lassen", in der Trump Nordkorea mit der "völligen Zerstörung" gedroht hatte, wurde Kim am Freitag von der Staatsagentur KCNA zitiert.

Kim nannte Trump zudem einen geistesgestörten Greis und kündigte Vergeltung an: "Ich werde den geistig umnachteten, senilen Amerikaner sicher und endgültig mit Feuer bändigen", erklärte er. Trumps Äußerungen seien "die grimmigste Kriegserklärung in der Geschichte". Sie hätten ihn aber nicht eingeschüchtert und würden ihn auch nicht aufhalten, betonte Kim. Er sei vielmehr überzeugt, dass er den richtigen Pfad gewählt habe und diesem Weg bis zum Schluss folgen müsse.

"Harte Gegenmaßnahme auf höchstem Niveau"

Trump werde für seine Rede vor den Vereinten Nationen "teuer bezahlen". Jetzt, da der US-Präsident ihn und sein Land vor den Augen der Welt beleidigt habe, ziehe Nordkorea ernsthaft in Erwägung, eine "harte Gegenmaßnahme auf höchstem Niveau in der Geschichte" auszuüben. Welche Schritte er konkret ergreifen werde, sagte Kim nicht.

Trumps Konter folgte wie gewohnt via Twitter: "Kim Jong-un, der offensichtlich ein Verrückter ist und dem es nichts ausmacht, seine eigenen Leute verhungern zu lassen, wird geprüft wie niemals zuvor!", schrieb Trump am Freitag.

Einem Medienbericht zufolge spielt Nordkorea mit dem Gedanken, eine Wasserstoffbombe auf dem Pazifischen Ozean zu testen. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag berichtete, sagte der nordkoreanische Außenminister Ri Yong-ho, er glaube, sein Land könne einen solchen Test im bisher nicht dagewesenen Ausmaß in Erwägung ziehen. Ri antwortete dies auf die Frage, was Machthaber Kim gemeint habe, als er nach der Drohung von Trump von "harten Gegenmaßnahmen" gesprochen habe. Er wisse aber nicht genau, was Kim vorhabe, so Ri. Eine Rede des Ministers bei der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung wird für Samstag erwartet.

Merkel: "Ich bin gegen eine solche Drohung"

Trump hatte Nordkorea am Dienstag in einer Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York mit "totaler Vernichtung" gedroht. In Anspielung auf Kims Raketentests sagte er: "Der Raketenmann ist auf einer Selbstmordmission für sich selbst und sein Regime." Am Donnerstag ordnete Trump per Dekret neue Sanktionen gegen Nordkorea an.

Trumps Rede rief jedoch auch unter Verbündeten Kritik hervor. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der Deutschen Welle: "Ich bin gegen eine solche Drohung." Sie halte "jede Art von militärischer Lösung für absolut unangemessen" und setze stattdessen auf diplomatische Bemühungen. In dieser Frage gebe es "einen klaren Dissens" mit Trump.

Atomwaffentest

Der Konflikt heizt sich seit Monaten auf. Anfang der vergangenen Woche hatte der UNO-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Pjöngjang wegen dessen Atomtests am 3. September deutlich verschärft.

Nordkorea hatte die Weltgemeinschaft in den vergangenen Wochen nicht nur mit seinem sechsten Atomwaffentest, sondern auch mit Raketentests in Unruhe versetzt. Der Konflikt mit dem ostasiatischen Land steht deshalb im Zentrum des derzeitigen einwöchigen Treffens von Staatenlenkern aus aller Welt am UNO-Hauptquartier in New York.

"Kleiner" Börsenschock in Fernost

Die erneute Eskalation der gegenseitigen verbalen Drohungen belastete die Börsen in Fernost. Die Berichte über einen möglichen Wasserstoffbombentest hätten dem Markt "einen kleinen Schock" verpasst, sagte Anlagestratege Takuya Takahashi von Daiwa Securities. Die französische Sportministerin Laura Flessel sagte, ihr Land werde nicht an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea teilnehmen, wenn die Sicherheit der Athleten nicht garantiert werden könne. Austragungsort ist Pyeongchang nur 80 Kilometer von der demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea entfernt.

Deutschland für Diplomatie

Trumps Drohungen bei der UN-Vollversammlung lösten heftige Reaktionen und Kritik auch unter Verbündeten aus. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der Deutschen Welle: "Ich bin gegen eine solche Drohung." Sie halte "jede Art von militärischer Lösung für absolut unangemessen" und setze stattdessen auf diplomatische Bemühungen.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel stellte einen Zusammenhang mit Trumps gleichzeitiger Drohung her, das Atom-Abkommen mit dem Iran aufzukündigen. Sollten die USA aus der Vereinbarung mit dem Iran aussteigen, hätte dies "verheerende Signalwirkung" für den Nordkorea-Konflikt, erklärte Gabriel im Kurzbotschaftendienst Twitter.

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung führte Gabriel später aus: "Welcher Staat sollte von einem eigenen Atomprogramm (...) Abstand nehmen, wenn sich zeigt, dass einmal ausgehandelte Vereinbarungen keinen Bestand haben?" Er rief erneut dazu auf, im Konflikt mit Pjöngjang "alle diplomatischen Mittel" zu nutzen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kritisierte sowohl die martialischen Drohungen Trumps als auch die "abenteuerliche Politik" Pjöngjangs."Die militärische Hysterie führt nicht nur in die Sackgasse, sondern auch zur Katastrophe", warnte er. Sein chinesischer Amtskollege Wang Yi bekräftigte, Verhandlungen seien "die einzige Lösung".

Erweiterte Sanktionen

Trump verkündete am Donnerstag eine Serie von neuen Sanktionen gegen ausländische Unternehmen, die Geschäfte mit dem ostasiatischen Land machen. Bestraft werden können etwa Banken, die Transaktionen mit Nordkorea tätigen oder ermöglichen. Die US-Konten dieser Institutionen können gesperrt werden. US-Finanzminister Steve Mnuchin sagte, ausländische Finanzinstitute müssten sich nun entscheiden, ob sie Geschäfte mit den USA oder mit Nordkorea machen wollten.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in begrüßten die Entscheidung Trumps. "Wir begeben uns auf eine neue Stufe des Drucks", sagte Abe. Japan unterstütze diesen Schritt "von Herzen". Auch Moon sagte, sein Land werde seine eigenen Schritte mit denen der USA eng abstimmen. Er betonte jedoch auch, es gehe seinem Land nicht um einen Kollaps des Nachbarstaates. Seoul und die Weltgemeinschaft unternähmen alles nur Mögliche, um den Atomkonflikt mit Pjöngjang friedlich beizulegen.

Neue Sanktionen auch von China unterstützt

Trump bewertete es auch als großen Fortschritt, dass die chinesische Zentralbank inzwischen begonnen habe, ihre Transaktionen mit dem Nachbarland zurückzufahren. Er dankte dem chinesischen Staatschef Xi Jinping für diesen "kühnen Schritt". China spielt als der mit Abstand größte Handelspartner Nordkoreas eine Schlüsselrolle in den Bemühungen, das Land zum Einlenken zu bewegen.

Auch die EU einigte sich auf neue Strafmaßnahmen gegen Nordkorea. Dazu gehören nach Angaben von Diplomaten ein vollständiges Verbot von Investitionen und Ölexporten sowie die Belegung weiterer nordkoreanischer Vertreter mit Einreise- und Vermögenssperren. Die EU will die neuen Sanktionen im Oktober verabschieden. Diese Grundsatzentscheidung trafen die für Sicherheitsfragen zuständigen EU-Botschafter am Donnerstagabend, wie es aus EU-Diplomatenkreisen hieß.

Die wichtigsten Akteure im Nordkorea-Konflikt

SÜDKOREA: Nach den Worten von Präsident Moon Jae-in strebt Südkorea ein friedliches Nebeneinander mit seinem Nachbar Nordkorea an. "Wir wünschen keinen Kollaps Nordkoreas." Südkorea strebe auch keine Wiedervereinigung mit dem kommunistisch regierten Staat durch "künstliche Mittel" oder durch "Verschlucken" an. Seoul und die Weltgemeinschaft unternähmen alles nur mögliche, um den Atomkonflikt mit Pjöngjang friedlich beizulegen. Das Land müsse "sofort aufhören, leichtsinnige Entscheidungen zu treffen, die zur eigenen Isolation und zum Untergang führen könnten."

Zwischen beiden Ländern gilt seit Ende des Korea-Krieges (1950-1953) ein Waffenstillstand. Ein Friedensvertrag wurde bis zum heutigen Tag nicht geschlossen.

CHINA: Auch China will Frieden auf der koreanischen Halbinsel, wie Außenminister Wang Yi sagte - und dafür gebe es "noch Hoffnung". Er forderte Nordkorea allerdings auf, "nicht weiter in die eingeschlagene gefährliche Richtung zu gehen". China setze sich weiter für eine entnuklearisierte koreanische Halbinsel ein und fordere alle Beteiligten auf, dazu konstruktiv beizutragen. Der einzige Weg zu diesem Ziel sei politischer Dialog.

USA: US-Präsident Donald Trump brandmarkte das isolierte Regime und drohte ihm mit völliger Zerstörung. "Wenn (die USA) gezwungen sind, sich selbst oder ihre Verbündeten zu verteidigen, dann haben wir keine Wahl, als Nordkorea total zu zerstören." Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un bezeichnete er als "Raketenmann auf einer Selbstmordmission". Das Atomprogramm des Landes stelle eine Gefahr für die ganze Welt dar. "Keine Nation der Welt hat ein Interesse daran, dabei zuzusehen, wie diese Bande von Kriminellen sich mit Raketen und Nuklearwaffen ausrüstet", erklärte Trump.

JAPAN: Wie die USA sieht auch Japan "alle Optionen auf dem Tisch". Der Konflikt sei eine "ernste Bedrohung ohne Beispiel", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe. Nordkorea sei derzeit dabei, "mit einem süffisanten Lächeln" alle Abrüstungsbemühungen der vergangenen Jahre vom Tisch zu wischen. "Es ist eine Krise mit einer komplett neuen Dimension." Nordkorea müsse dazu gebracht werden, sein Nuklear- und Raketenprogramm komplett und überprüfbar aufzugeben. "Was gebraucht wird, ist nicht Dialog, sondern Druck."

NORDKOREA: Die Rede des nordkoreanischen Außenminister Ri Yong-ho vor dem UN-Plenum war für Samstag angekündigt. Staatschef Kim Jong-un blieb der UN-Generaldebatte wie im vergangenen Jahr fern. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, gegen Trump zu giften: "Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen", zitierte ihn die nordkoreanische Staatsagentur KCNA. Außenminister Ri bezeichnete die Ansprache von Trump als "Hundegebell" und sagte, Trumps Berater täten ihm leid. "Wenn er wirklich dachte, er könne uns mit dem Geräusch von Hundegebell Angst einjagen, ist das der Traum eines Hundes", sagte Ri laut CNN. Die Wendung "Traum eines Hundes" bedeutet auf Koreanisch etwas Absurdes, das wenig Sinn ergibt.