Politik | Ausland
13.04.2017

Nordkorea soll vor neuem Atomtest stehen

Ein nordkoreanischer Atomtest würde den Konflikt mit den USA noch einmal verschärfen.

Nordkorea soll vor einem neuerlichen Atomtest stehen – es wäre der sechste seit 2006. Das berichtet der britische Guardian unter Berufung auf die US-amerikanische Seite 38North, die Aktivitäten in Nordkorea überwacht. Satellitenbilder sollen verstärkte Aktivitäten bei der Atomtest-Anlage Punggye-ri zeigen. Dazu kommt, dass ausländische Journalisten mitgeteilt wurde, sie sollten sich auf ein „großes und wichtiges Ereignis“ vorbereiten. Am Samstag sind in Nordkorea Feierlichkeiten zum 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-Sung angesetzt.

Test am "Tag der Sonne"?

An diesem in Nordkorea als „Tag der Sonne“ bezeichneten Feiertag, wird spekuliert, könnte auch der Atomtest stattfinden, um die Stärke des Regimes zu demonstrieren. Damit würde Nordkorea noch stärker in den Fokus der Weltmächte rücken: Nach mehreren nordkoreanischen Raketentests beorderten die USA bereits einen Flottenverband mit dem Flugzeugträger "USS Carl Vinson" in die Region. Japans Marine plane eine gemeinsame Übung mit den US-Kriegsschiffen, berichtete am Mittwoch das Verteidigungsministerium in Tokio. Als Reaktion hatte Nordkorea am Dienstag den Ton verschärft und mit "härtesten Gegenmaßnahmen gegen die Provokateure" gedroht.

Chinas Präsident Xi Jinping hatte zuvor angesichts der wachsenden Spannungen zu einer friedlichen Lösung im Streit über das nordkoreanische Atomprogramm gemahnt. Xi unterstrich in einem Telefonat mit Trump, dass China an dem Ziel einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel festhalte, um Frieden und Stabilität zu wahren. Zugleich rufe China aber zu "friedlichen Mitteln" auf, um das kommunistische Regime Nordkoreas davon abzuhalten, sich Atomwaffen zu beschaffen, zitierten ihn chinesische Staatsmedien.

Gefahr für Südkorea

In einem Kommentar der englischsprachigen Zeitung "Global Times", die vom kommunistischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird, hieß es am Donnerstag: "Militäraktionen gegen Nordkorea zu unternehmen, ist sehr viel riskanter als einen Raketenangriff gegen Syrien zu starten." US-Präsident Donald Trump möge den Druck auf Pjöngjang erhöhen wollen und die Erwartung erzeugen, militärisch vorgehen zu wollen. "Aber wenn Pjöngjang einen verzweifelten Gegenschlag unternimmt, wird Washington in einem Dilemma gefangen." Nordkorea sei in der Lage, Südkorea "einen schweren Schlag zu versetzen", warnte das Blatt.

Ungeachtet von Nordkoreas atomaren Fähigkeiten könnte der Einsatz einer "schmutzigen Bombe" gegen Südkorea schwere nukleare Verseuchung verursachen, die für den Verbündeten der USA "unerträglich" sein werde, schrieb der namentlich nicht genannte Kommentator. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am späten Mittwochnachmittag (Ortszeit) in Washington bekräftigte Trump, er habe Xi gesagt, der Weg, ein "gutes Handelsgeschäft" mit den USA zu machen, sei, den USA bei Nordkorea zu helfen.

Vize-Präsident Pence in Südkorea

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach sich für eine politische Lösung aus. "Ich setze nicht auf militärische Mittel, sondern darauf, dass von verschiedenen Seiten starker politischer Druck auf Nordkorea ausgeübt wird." Für die gesamte Welt sei wichtig zu verhindern, dass sich Nordkorea nuklear bewaffnet.

US-Vizepräsident Mike Pence wird am Sonntag in Seoul erwartet, auch um mit amerikanischen und südkoreanischen Soldaten und ihren Familien das Osterfest zu feiern. Von Südkorea reist Pence am Dienstag nach Japan weiter, wo er Ministerpräsident Shinzo Abe treffen wird. Vor dem Außen- und Verteidigungsausschuss des Oberhauses in Tokio warnte Abe vor den Chemiewaffenfähigkeiten Nordkoreas. Laut Medien sagte Abe, es bestehe die Möglichkeit, dass Nordkorea bereits über das Know-How verfüge, mit mit Sarin-Gas bestückten Sprengköpfen anzugreifen.