Politik | Ausland
04.07.2017

Nordkorea feuert Interkontinentalrakete Richtung Japan

Das Regime in Nordkorea testete erstmals eine Interkontinentalrakete. Das Geschoß erreichte die japanische Wirtschaftszone und die Flughöhe einer Interkontinentalrakete, wie Japan bestätigte.

Nordkorea hat Dienstagfrüh seine erweiterten militärischen Kapazitäten demonstriert. Die Armee des kommunistischen Regime testete laut eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete. Auch Japan bestätigte, dass sie die dafür nötige Flughöhe (2500 km) deutlich überschritt. Andere Regierungen prüfen noch und hatten vorher von einer Mittelstreckenrakete gesprochen. Das Geschoß flog 930 Kilometer weit in Richtung Japan und landete vor der dortigen Küste. Umgehend folgten scharfe Proteste aus Seoul und Tokio, US-Präsident Donald Trump nahm erneut Peking in die Pflicht.

Das Geschoß wurde nahe der Stadt Kusong abgeschoßen und sei laut US-Armee 37 Minuten lang in der Luft gewesen. Nordkorea verkündete, das Geschoß vom Typ Hwasong-14 habe eine Höhe von 2.800 Kilometern erreicht und sein Ziel nach genau 39 Minuten Flugzeit präzise getroffen. Die Rakete landete wahrscheinlich in Japans exklusiver Wirtschaftszone - einer 200-Meilen-Zone vor der Küste. Mit der erreichten Distanz könnte sie auch das japanische Festland erreichen.

Was eine Interkontinentalrakete erreichen könnte

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Pjöngjang arbeitet nach eigenen Angaben an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden sollen. UNO-Resolutionen verbieten dem Regime den Test ballistischer Raketen. Der jüngste Test erfolgte vor den Feiern zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli in den USA. "Ich vermute irgendwie, dass sie genau deshalb heute etwas Feuerwerk abgebrannt haben", sagte der US-Atomwaffenexperte Shea Cotton. Nordkorea unterstellt Washington regelmäßig eine feindselige Politik. Das wird von der US-Regierung aber bestritten.

Tokio warf der isolierten Führung in Pjöngjang Provokation vor und erklärte, zusammen mit den USA und Südkorea mehr Druck auf Nordkorea ausüben zu wollen. Ministerpräsident Shinzo Abe rief zugleich die Präsidenten Chinas und Russlands, Xi Jinpin und Wladimir Putin auf, beim G-20 Gipfel am kommenden Wochenende in Hamburg eine "konstruktive" Rolle im Konflikt mit Nordkorea zu spielen. In Südkorea berief Präsident Moon Jae-in nach dem Raketentest im Nachbarland - wie üblich in diesen Fällen - den nationalen Sicherheitsrat ein.

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US-Präsident Donald Trump erklärte auf Twitter, es sei schwer zu glauben, dass Südkorea und Japan sich weiter damit abfinden würden. Er frage sich, ob dieser Typ nichts Besseres in seinem Leben zu tun habe, als Raketen starten zu lassen, schrieb er und spielte damit offenbar auf den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an. "Vielleicht wird China erhebliche Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen, um diesen Unsinn ein für alle Mal zu beenden."

Der Streit mit dem kommunistisch regierten Land gilt als einer der weltweit gefährlichsten Konflikte. Seit 2006 nahm Nordkorea nach eigenen Angaben fünf Atomwaffentests vor, davon zwei im vergangenen Jahr. Die Lage in der Region ist nach mehreren Tests ballistischer Raketen durch Nordkorea, darunter Mittelstreckenraketen, sowie Marschflugkörpern in den vergangenen Monaten sehr angespannt. Ballistische Raketen sind in der Regel Boden-Boden-Flugkörper, die je nach Bauart konventionelle, biologische, chemische oder sogar atomare Sprengköpfe ins Ziel befördern können.

China besorgt

Wenige Stunden vor dem Raketentest zeigte sich auch China besorgt. Der chinesische UNO-Botschafter Liu Jieyi warnte am Montag, der Konflikt könnte "außer Kontrolle geraten", wenn es nicht gelinge, die Spannungen abzubauen. US-Präsident Trump hatte bei einem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten in der vergangenen Woche erneut scharfe Worte an Pjöngjang gerichtet. Das "Zeitalter der strategischen Geduld" mit Nordkorea sei vorüber, dieser Ansatz sei gescheitert, sagte er in Anspielung an die Politik seines Vorgängers Barack Obama.

Zugleich betonten Trump und Moon, dass die Tür zum Dialog mit Pjöngjang "unter den richtigen Umständen" nach wie vor offen sei. Trump hatte mehrfach mit Alleingängen im Konflikt um das Atomprogramm Nordkoreas gedroht und auch militärische Aktionen nicht ausgeschlossen. Zugleich setzt Washington auf China, dem traditionellen Verbündeten Nordkoreas. Peking ruft die Parteien in dem Konflikt regelmäßig zu Verhandlungen auf.