Politik | Ausland
10.03.2014

Tanker unter Kontrolle von Tripolis

Das vor der Ostküste Libyens liegende Schiff ist auf dem Weg nach Westlibyen.

Der vor der Ostküste Libyens ankernde nordkoreanische Tanker "Morning Glory" ist offenbar unter Kontrolle der libyschen Regierungs-Streitkräfte und auf dem Weg nach Westlibyen. Dies erklärten am Montagabend übereinstimmend parlamentarische und militärische Kreise sowie die staatliche libysche Ölgesellschaft NOC. Ein Rebellensprecher wies die Regierungsangaben zurück.

"Das Schiff ist von Regierungskräften geentert worden. Es gibt keine Schäden", erklärte der Parlamentsabgeordnete Abdelwahab al-Qaim. Ein Sprecher der staatlichen Ölgesellschaft National Oil Corp (NOC) bestätigte dies und erklärte, das Schiff sei nun auf dem Weg nach Westlibyen. Vermutlich solle das Schiff in Zawiyah, 50 Kilometer westlich von Tripolis, entladen werden.

Die "Morning Glory" war zuvor vor dem von Separatisten gehaltenen ostlibyschen Hafen Al-Sidra vor Anker gelegen. An Bord soll sie Rohöl im Wert von 30 Millionen Dollar ( (21,59 Mio. Euro) haben, das zuvor den Rebellen abgekauft wurde. Sowohl der libysche Ölminister Omar al-Shakmak sowie das US-Außenministerium hatten den geplanten Export als "illegal" bezeichnet. Libyen hatte gedroht, das Schiff zu bombardieren, sollte es den Hafen verlassen. Die Separatisten hatten ihrerseits in der Nacht auf Montag mit einem Bürgerkrieg gedroht, sollte der Öltanker angegriffen werden.

Die Anführer der östlichen Separatistenbewegung gelten vielen Libyern als Kriminelle, die sich vor allem durch die Besetzung der Anlagen der staatlichen Ölgesellschaft bereichern wollen. Seit Ende Juli halten Milizen die Ölterminals von Ras Lanuf, Sueitina und Al-Sidra besetzt, um ihrer Forderung nach regionaler Autonomie für den Osten Libyens und einer besseren Verteilung der Einnahmen aus dem Erdölgeschäft Nachdruck zu verleihen. Das Rohöl ist die wichtigste Einnahmequelle Libyens.