Politik | Ausland
25.08.2017

Nordkorea: Bevölkerung und Militär müssen hungern

"Nicht kampffähig". Kim Jong-un rüstet auf, Soldaten in schlechtem körperlichem Zustand.

In den vergangenen Wochen war der nordkoreanisch-amerikanische Konflikt in aller Munde. Doch bei all den Drohungen und dem Säbelrasseln der Machthaber geriet das Wesentlichste in den Hintergrund: Die Not der nordkoreanischen Bevölkerung.

Die Politik des Diktators Kim Jong-un, die internationalen Sanktionen und die schlimmste Dürre seit fast 16 Jahren könnten zum größten Elend für Millionen Nordkoreaner seit der Hungersnot Anfang der 1990er-Jahre führen. Während die Führung des Landes weiterhin die knappen Ressourcen in das Raketen- und Atomprogramm steckt, verhungert die Bevölkerung. Die anhaltende Trockenheit hat zu Missernten geführt. Die Nahrungsspenden aus dem Ausland sind laut Welternährungsprogramm ebenfalls massiv zurückgegangen. In dem wirtschaftlich maroden, aber militärisch hochgerüsteten Land sei die Ernährungssicherheit für 70 Prozent der 25 Millionen Einwohner gefährdet.

Korruption

Bis jetzt wurde angenommen, dass das Militär hervorragend versorgt sei, doch Jiro Ishimaru, ein japanischer Journalist, welcher für seine Berichte über Nordkorea bekannt ist, erzählt dem Guardian das Gegenteil. Nicht nur die zivile Bevölkerung leide unter der Dürre und der Hungersnot, sondern auch die Soldaten der Koreanischen Volksarmee. "Es gibt viel zu viele Soldaten, die ernährt werden müssen", erzählt Ishimaru, der ein verstecktes Netzwerk von zivilen Journalisten in Nordkorea aufgebaut hat. Die Korruption in der Armee sei weit verbreitet, die Offiziere würden die Verpflegung auf dem Schwarzmarkt verkaufen – für die Soldaten bleibe nichts übrig.

Angesprochen auf einen Krieg sagt Ishimaru, von Soldaten an der chinesischen Grenze habe er erfahren, dass "viele nordkoreanische Soldaten sich in einem schlechten körperlichen Zustand befinden und überhaupt nicht kampffähig seien". Ishimaru, welcher deutlich unterernährte Soldaten beim Waschen ihrer Uniform am Genzfluss Yalu beobachten konnte, ist sich sicher, dass "die Dürre, kombiniert mit den Sanktionen und der schlechten Wirtschaft, eine bedrohliche Zukunft für die Bevölkerung bedeutet". In jedem anderen Land wäre es schon längst zu Unruhen gekommen, doch nicht in Nordkorea, wo die jahrzehntelange Glorifizierung der Familie Kim und Angst vor Arbeitslagern Unmut im Keim erstickt.

Neue UN-Sanktionen würden Nordkoreas Einkommen aus Exporten beschränken und Arbeitsplätze bedrohen – wie jene von Fischern, deren Lebensunterhalt vom Handel mit China abhängt. Besorgt über die Aussicht auf eine weitere Hungersnot hat die UNO dem Land jedoch auch eine finanzielle Hilfe von 6,3 Millionen Euro versprochen, um den Mangel an Mais, Reis, Kartoffeln und anderen essenziellen Nutzpflanzen zu bewältigen.