Politik | Ausland
14.03.2018

Nordirak: Erdogan kündigt Militärschlag gegen Kurden an

Erdogan hofft eine vollständige Einkesselung von Afrin bis Mittwochabend.

Die Türkei will nach den Worten ihres Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Kürze auch gegen kurdische Milizen im Irak vorgehen. Erdogan sagte am Mittwoch in Ankara, die "Terrornester im Nordirak" würden bei jeder Gelegenheit überprüft. "Wir werden bald sehr kräftig auf die dortigen Terroristen treten."

Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte vergangene Woche gesagt, die Türkei und die irakische Zentralregierung in Bagdad könnten eine gemeinsame Militäroperation gegen militante Kurden nach den irakischen Wahlen im Mai starten. In der syrischen Region Afrin geht die türkische Armee seit Jänner gegen die kurdische YPG-Miliz vor. Die Türkei erachtet die YPG als Terrororganisation und verlängerten Arm der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die PKK unterhält in den Bergregionen im Nordirak eigene Militärstützpunkte in der Nähe der türkischen Grenze.

Mit seinen Aussagen zur türkischen Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Stadt Afrin hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan für Verwirrung gesorgt. Erdogan sagte am Mittwoch bei einer Rede vor Ortsvorstehern in Ankara: "Ich hoffe, dass Afrin, so Gott will, bis zum Abend vollkommen fallen wird."

Aus dem Präsidialamt wurde später präzisiert, Erdogan hoffe, dass die Einkesselung der Stadt Afrin bis zum Abend vollkommen abgeschlossen sei - nicht, dass die Stadt bis zum Abend vollständig erobert sei. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu hatte bereits am Dienstag gemeldet, die Armee habe mit der Belagerung von Afrin-Stadt begonnen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und der YPG war zunächst allerdings noch ein schmaler Korridor nach Afrin offen, der aber im Schussfeld der türkischen Truppen lag.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind in der Stadt und ihrem Umland mehr als 300.000 Menschen eingeschlossen.

Die Kämpfer der YPG dagegen würden "in der Hölle landen", so Erdogan. Am Dienstag hatte das Militär erklärt, den Ort eingekesselt zu haben. Ein YPG-Sprecher hatte diese Darstellung zurückgewiesen. Die jüngste Äußerung Erdogans bezeichnete die kurdische Seite als "Träumerei".