Politik | Ausland
18.02.2018

Nigeria: Gericht lässt 475 mutmaßliche Boko-Haram-Anhänger frei

Mangels Beweisen gibt es vorerst keine Anklage.

In Nigeria hat ein Gericht 475 mutmaßliche Anhänger der radikalislamischen Boko Haram freigelassen. Die Staatsanwaltschaft habe sie mangels Beweisen nicht anklagen können, teilte das Justizministerium am Sonntag mit. Einige der Betroffenen, deren Fall vergangene Woche in einem Gefangenenlager im Zentrum des Landes behandelt wurde, waren seit 2010 ohne Gerichtsverfahren in Haft.

Zugleich gingen die Ermittlungen und Prozesse wegen des Aufstandes der Boko Haram weiter. Der erste Täter, der vergangene Woche wegen der Verschleppung von rund 270 Schülerinnen im Jahr 2014 in Chibok zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, erhielt eine zusätzliche Strafe von 15 Jahren.

Mehr als 20.000 Tote

Die Boko Haram hatte 2009 ihren Aufstand begonnen und versuchte mit großer Gewalt, im Nordosten Nigerias einen streng islamischen Staat zu errichten. Mehr als 20.000 Menschen wurden getötet. Zwei Millionen Menschen flohen aus ihrer Heimat. Nigerias Armee und Regierung haben den Aufstand wiederholt für niedergeschlagen erklärt. Dennoch verüben die Islamisten immer wieder Anschläge, unter anderem auf Märkte und Moscheen.

Im Oktober wurden nach Angaben des Justizministeriums 45 Personen wegen Verbindung zur Boko Haram verurteilt und ins Gefängnis gebracht. Weitere knapp 470 Verdächtige wurden auf freien Fuß gesetzt.

Nigeria ist der größte Erdölexporteur Afrikas und mit 170 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land des Kontinents.