Trump feiert seinen ersten Sieg.

© REUTERS/JIM BOURG

US-Vorwahlen
02/10/2016

New Hampshire: Trump siegte, wo Obama verlor

Donald Trump ist der Gegenentwurf zu Obama, der vor acht Jahren erstmals "Yes we can" proklamierte.

von Thomas Trescher

Acht Jahre lang hat Präsident Barack Obama versucht, den Amerikanern etwas zu erklären: Dass die Welt immer komplizierter wird, und dass sich die Rolle der Vereinigten Staaten in dieser komplexen Welt ändern muss. Dass die USA nicht in allen Belangen "the single greatest nation on earth" sind, dass die Macht der Weltmacht langsam schwindet. Er hat versucht, seine Nation mit einer für viele schmerzlichen Realität vertraut zu machen. Dann kam Donald Trump. Sein Slogan, der lautet: "Make America Great Again". Gar nicht so subtiler Subtext: Jenes Amerika, das Obama kaputt gemacht hat.

Amerika als Wille und Vorstellung

Er hat kein Programm, um das zu erreichen. Das braucht er auch nicht. Für ihn gibt es nur ein Problem, das die Nation hat: Barack Obama. Seine Anhänger und er sind davon überzeugt, dass die Einbildung stärker ist als die Wirklichkeit: Barack Obama hat die Schwächen der Vereinigten Staaten eingestanden, und damit hat er sie schwach gemacht. Trump proklamiert die Einzigartigkeit der USA und hat sie damit für seine Anhänger schon erreicht. Donald Trumps Amerika ist ein Amerika als Wille und Vorstellung, kein tatsächliches Amerika.

Nun hat er bei den zweiten Vorwahlen in New Hampshire erwartungsgemäß seinen ersten Sieg eingefahren, bei aktuellem Auszählungsstand liegt er laut New York Times bei 35 Prozent der Stimmen. Es ist der höchste Sieg, den ein Kandidat der Republikaner bei den Vorwahlen in New Hampshire seit dem Jahr 2000 eingefahren hat. Vor acht Jahren, da musste auf der demokratischen Seite der junge Senator Barack Obama bei den Primaries in New Hampshire eine Niederlage gegen Hillary Clinton einstecken (so wie sie diesmal gegen Bernie Sanders verlor).

"Ich werde der beste Präsident für Job sein, den Gott je geschaffen hat"

Seine Rede in New Hampshire wurde als "Yes we can"-Rede berühmt, zum ersten Mal tauchte der spätere Wahlslogan hier auf. Er sprach von den Problemen im Land und dass ein langer Kampf bevorsteht, um sie zu lösen. Aber: Wir können diese Nation heilen, sagte Obama damals, "Yes we can". Wir schaffen das, alle gemeinsam. Ich mach das schon, erklärt Trump jetzt. "Ich werde der beste Präsident für Jobs sein, den Gott je geschaffen hat", sagt Trump in seiner Siegesrede in New Hampshire. Wo Obama die Menschen in die Verantwortung nahm, entlässt sie Trump aus dieser Bürde. Er ist der Gegenentwurf zum amtierenden Präsidenten.

Alles wieder offen

Der Blick zurück auf Obama in New Hampshire zeigt aber auch: Der Vorwahlkampf hat gerade erst begonnen, damals galt Hillary Clinton immer noch als hohe Favoritin der Demokraten (so wie diesmal, acht Jahre später). Für die Republikaner könnte der Vorwahlkampf ein langer werden, denn die erhoffte Klarheit hat New Hampshire nicht gebracht: Marco Rubio blieb - nachdem er sie in Iowa übertraf - weit hinter den Erwartungen und hinter Jeb Bush, Ted Cruz und John Kasich. Hätte er sie überholt, wäre der Druck auf Jeb Bush und John Kasich, zugunsten von Rubio aus dem Wahlkampf auszuscheiden, groß gewesen. So aber ist wieder alles offen.

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