Botschafter der Familie Trapp

THE SOUND OF MUSIC
Foto: Ronald Grant / Mary Evans / picturedesk.com/Ronald Grant/Mary Evans/picturedesk.com "The Sound of Music" mit Julie Andrews (2.v.l.) erzählt die bewegende Geschichte der Familie Trapp.

Donald Trump schickt einen "besessenen" Fan des Hollywoodfilms nach Österreich.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich für den begehrten Posten des amerikanischen Botschafters in Wien zu qualifizieren: Helene von Damm war viele Jahre die engste Mitarbeiterin Ronald Reagans, ihr Nachfolger Ronald Lauder hat eine beachtliche Kunstsammlung aufgebaut, Henry Grunwald war einer der profiliertesten Journalisten in den USA und Alexa Wesner hat Barack Obama im Wahlkampf unterstützt. Dieser Tage hat auch Donald Trump seinen Kandidaten als Ambassador in Austria nominiert. Es ist der 63-jährige Immobilienmillionär Patrick Park. Was ihn für den Job befähigt? Mr. Park selbst sagt über sich, von dem Musicalfilm "The Sound of Music" "besessen" zu sein und ihn bisher geschätzte 75-mal gesehen zu haben.

patrick park … Foto: /Palm beach daily news Patrick Park

Verbindung Austria–USAZugegeben, kein anderer Film verbindet Österreich mit Amerika wie dieser, der noch dazu auf einer wahren Story beruht. Sie beginnt in den 1920er-Jahren in Salzburg, als die erste Frau des Barons Georg von Trapp starb und ihren Mann mit sieben Kindern zurückließ. Auf der verzweifelten Suche nach einer Gouvernante fand der Marineoffizier im Benediktinerinnenkloster Nonnberg die Novizin Maria Augusta Kutschera, die er sich von der Äbtissin "auslieh".Auch die Fortsetzung der etwas kitschig anmutenden Geschichte ist wahr und nicht von Hollywood erfunden: Maria verliebte sich in den um 25 Jahre älteren Aristokraten, legte ihr Ordenskleid ab und heiratete ihn. Zu den sieben Kindern kamen drei weitere hinzu, und als Georg von Trapp 1935 sein Vermögen verlor, hatte seine junge Frau die Idee, aus den schönen Singstimmen der Kinder einen Chor zu bilden, der in aller Welt auftreten sollte.

Als Hitler 1938 in Österreich einmarschierte, packte das Ehepaar Trapp seine Kinder, ging mit ihnen auf Amerika-Tournee – und blieb. Die Großfamilie wurde in den USA nicht nur als musikalische Sensation gefeiert, sondern auch als Beweis dafür, dass nicht alle Österreicher Nazis waren. Die "Trapp Family" ließ sich auf einer Farm in Vermont nieder und organisierte nach dem Krieg eine gigantische Spendenaktion zugunsten hungernder Österreicher. Tourneen führten den Chor nach Europa, Süd- und Mittelamerika, Kanada und Australien.

1949 verfasste Maria von Trapp das Buch "The Story of the Trapp Family Singers", das zunächst in Deutschland mit Ruth Leuwerik verfilmt wurde. Durch den Film auf die Geschichte aufmerksam geworden, schrieb das amerikanische Erfolgsduo Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II. das Theatermusical "The Sound Of Music", das ab 1959 am Broadway Triumphe feierte. Nun griff auch Hollywood zu und verfilmte das Musical mit Julie Andrews und Christopher Plummer als Ehepaar Trapp. Der mit fünf Oscars ausgezeichnete Film wurde zum erfolgreichsten Musicalstreifen der 20th Century Fox, erreichte weltweit rund 1,2 Milliarden Zuschauer und spielte zwei Milliarden Dollar ein. Lange nannten drei von vier Touristen aus den USA "The Sound of Music" als Hauptgrund für ihre Reise nach Österreich.

 … Foto: /Villa Trapp Die Trapp-Villa in Salzburg-Aigen, in der die Familie bis 1938 lebte

Enkel und Urenkel

Georg von Trapp hat den weltweiten Ruhm seiner Großfamilie nicht mehr erlebt, er starb 1947 im Alter von 67 Jahren in Amerika, seine Frau Maria überlebte ihn um 40 Jahre. Heute leben in den USA noch drei Trapp-"Kinder" im Alter zwischen 78 und 88 Jahren sowie 25 Enkel und 40 Urenkel. Obwohl der Chor 1956 nach mehr als 2000 Konzerten offiziell aufgelassen wurde, sind nach wie vor einige Nachfahren als "Trapp Family Singers" weltweit unterwegs.

Kultfilm in den USAWährend "The Sound of Music" in Amerika ein Kultfilm wurde, ist er in Österreich weit weniger bekannt. Der künftige US-Botschafter könnte dafür sorgen, dass sich das ändert. Allerdings muss er sich vorher noch einem Hearing im US-Senat stellen, in dem geklärt wird, ob er die Eignung für das hohe Amt besitzt.Ich kann mir vorstellen, dass die von Mr. Park bevorzugten "Prüfungsfragen" im Senat sein Lieblingsmusical "The Sound of Music" betreffen würden, von dem er sagt, "jedes einzelne Wort und jedes Lied auswendig zu können".

Und das wären meine Vorschläge, wie die Fragen des Hearings im amerikanischen Senat lauten könnten:

Frage 1: Welcher Schauspieler war 1956 neben Ruth Leuwerik in der ersten deutschen Verfilmung "Die Trapp-Familie" als Georg von Trapp zu sehen?

Antwort: Hans Holt.

Frage 2: Nennen Sie drei der bekanntesten Songs aus dem Musical "The Sound of Music".

"Do-Re-Mi", "How Can Love Survive", "Edelweiss".

Frage 3: Welchen Rang bekleidete Baron Georg von Trapp als k. u. k. Marineoffizier im Ersten Weltkrieg?

Korvettenkapitän.

Frage 4: Wie lautet der deutsche Titel des 1965 mit Julie Andrews gedrehten US-Musicalfilms "The Sound of Music"?

"Meine Lieder – meine Träume".

Frage 5: Wann und wo traten die "Trapp-Singers" nach dem Krieg in Österreich auf?

1950 bei den Salzburger Festspielen.

Frage 6: Was ist heute in der Villa, in der die Familie Trapp bis 1938 in Salzburg-Aigen wohnte, untergebracht?

Ein Vier-Sterne-Hotel.

Na, das müssten Sie doch schaffen, Mister Park. Und dann herzlich willkommen in Austria, the home country of the Trapp Family!

(kurier) Erstellt am
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