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Nachruf
12/06/2013

Ein Gigant des Humanismus ist tot

Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela verstarb am Donnerstag im Alter von 95 Jahren.

von Walter Friedl

Diejenigen von uns aus der alten Generation tragen den Schmerz, ihre Kameraden gehen zu sehen“, sagte Nelson Mandela einst, „unsere Traurigkeit wird aber gemildert durch das tröstliche Wissen, dass die Trennung nicht unendlich lang sein wird.“ Für den südafrikanischen Freiheitskämpfer ist die Zeit der Trennung vorbei, für die Welt beginnt sie leidvoll mit seinem Tod. Der Friedensnobelpreisträger war eine der großen Lichtgestalten unserer Zeit. Mit seinem Ableben ist es dunkler geworden. Er starb am Donnerstag im Alter von 95 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in seinem Haus in Johannesburg, wie der derzeitige Präsident Südafrikas, Jacob Zuma mitteilte. Mandela sei friedlich dahingeschieden. Das Land trägt Trauer und feiert zugleich sein Lebenswerk, die Welt verneigt sich vor dem Vermächtnis des Giganten des Humanismus (siehe Reaktionen).

„Ich habe immer das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft vertreten. Für dieses Ideal lebe ich, für dieses Ideal bin ich bereit, zu sterben.“ Zwei Mal nahm Mandela, der große schwarze Mann Afrikas mit der Vorliebe für bunte Hemden, diesen Satz in den Mund: Bei seiner Verteidigungsrede im Hochverratsprozess 1964 und 1990 bei seiner historischen Ansprache nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis, in dem er 27 Jahre wegen seiner Überzeugung verbringen musste. Doch brechen konnten ihn die Handlanger des Apartheid-Regimes nicht. Weder vor Folter noch Demütigung ging er in die Knie.

Banner der Freiheit

Stets trug er das Banner von Freiheit und Gerechtigkeit, von Frieden und Versöhnung vor sich. Auch nach dem Ende der Haftzeit sann er nicht auf Rache, sondern auf ein Miteinander. „Wenn ich verzeihen kann“, sagte er seinen Freunden, „könnt ihr es auch“. Der Aufbau der „Rainbow-Nation“ (deren Farben nach ausländerfeindlichen Ausschreitungen 2008 leider hässliche Patzer abbekommen haben) ist großteils auf die unermüdliche Arbeit von Mandela zurückzuführen. Dafür erhielt er 1993 mit dem damaligen Präsidenten Frederik Willem de Klerk den Friedensnobelpreis.

Mandela - mehr als eine Ikone

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Mandela

AP**ADVANCE FOR SUNDAY, JULY 13--FILE** In this July 27, 1991 file photo, Cuban President Fidel Castro, right, and African leader Nelson Mandela gesture during the celebration of the "Day of the Revolution" in Matanzas. (AP Photo, file)

REUTERSFormer President Nelson Mandela attends the sixth Annual Nelson Mandela lecture in Kliptown, in this July 12, 2008 file photo. The Nelson Mandela foundation sent out a statement on Wednesday saying former president Nelson Mandela is at Milpark Hosp

ReutersA 1961 file photo of Nelson Mandela, leader of the African National Congress. REUTERS/Handout/Files (SOUTH AFRICA POLITICS)

REUTERSFormer South African President Nelson Mandela meets with the family of the late Tsietsi Mashinini at the Nelson Mandela childrens fund office in Houghton-Johannesburg in this June 13, 2006 file photo. Mandela, affectionately known as "Tata" or gran

The MTV pop channel is using its global reach, the sparkle of its stars and the moral authority of South Africas Nelson Mandela to send a message of AIDS awareness and tolerance to young people worldwide. Video footage from a Cape Town concert on Nov. 23

Mandela

Mandela

South Africa Mandela Birthday

„Madiba-Magie“ nannten Weggefährten jene spezielle Aura, die die charismatische Freiheitsikone umgab. Von seinem Stamm als „Vater“ (Madiba) verehrt, zeichnete Mandela eine einzigartige Mischung aus tiefem Respekt vor anderen Menschen, aus politischem Scharfsinn, Standfestigkeit, aber auch Humor und Güte aus – sein Lächeln war legendär.

Begonnen hatte der am 18. Juli 1918 als Sohn eines Häuptlings in Umtata in der Provinz Transkei Geborene seinen Kampf gegen Ungerechtigkeiten und das Apartheid-Regime schon früh. Bereits als Student fliegt er 1940 von der Uni, weil er einen Streik organisiert. Doch unbeirrt macht er seinen Jus-Abschluss per Fernstudium und eröffnet wenig später das erste Anwaltsbüro in Johannesburg, das von Schwarzen geführt wird.

Der Held der Freiheit im Zitat

Nelson Mandela, Bill Clinton

FILE SOUTH AFRICA MANDELA HOSPITAL

SOUTH AFRICA MANDELA OBIT

A woman cleans up outside the South African Embas…

A picture and a letter are placed in front of the

A poster with messages is seen outside on Vilakazi

A man holds candles in front of a mural of former

File photo of African National Congress vice-presi

USA BASKETBALL NBA MANDELA OBIT

Nelson Mandela

Nelson Nandela

File photo of Nelson Mandela wearing a cap present

File photo of South Africa's President Nelson Mand

A wreath of flowers is placed near a banner depict…

A woman with a banner pays tribute to Nelson Mande…

Bald wird er zu einer maßgeblichen Figur im „African National Congress“, der ältesten Befreiungsbewegung Afrikas. Nachdem der ANC 1961 verboten wurde, gründet Mandela die militante Gruppe „Speer der Nation“. Als deren erster Kommandant wird er 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt, die er großteils auf der Gefängnisinsel Robben Island verbringt.

Erst 1990 öffnet sich für Mandela das Tor zur Freiheit wieder. Vier Jahre später ist er der erste schwarze Präsident Südafrikas. Im Gegensatz zu anderen Staatschefs der Region gibt er die Macht nach einer Amtsperiode freiwillig ab. Sein Kampf gilt nun der Immunschwächekrankheit Aids, und er engagiert sich für Kinder. Schon sehr von Altersschwäche gezeichnet, verfolgt Mandela 2010 die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden in seiner Heimat. Jetzt ist der „Unruhestifter“, wie die Übersetzung seines Vornamens Rolihlahla lautet, verstummt. Er hat seine letzte Ruhe gefunden und seine alten Kameraden. Was der Welt bleibt, ist das Lebenswerk und Erbe eines Giganten des Humanismus.

Mandelas Leben

Titelseiten aus aller Welt

Würdigung und Trauer

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat den verstorbenen südafrikanischen Nationalheld Nelson Mandela als "Giganten der Gerechtigkeit" gewürdigt. Der Ex-Präsident sei eine "Quelle der Inspiration" für die ganze Welt gewesen, erklärte Ban am Donnerstag in New York. "Wir müssen uns von seiner Weisheit, seiner Entschlossenheit und seinem Engagement inspirieren lassen, um die Welt zu verbessern."

Er sei zutiefst traurig über Mandelas Tod, fügt Ban hinzu. "Nelson Mandela hat uns gezeigt, was für unsere Welt und für jeden einzelnen von uns möglich ist - wenn wir zusammen an Gerechtigkeit und Menschlichkeit glauben, davon träumen und uns dafür einsetzen."

US-Präsident Barack Obama wandte sich mit einer Rede an die Menschen, um Mandela zu würdigen: "Er gehört nun nicht mehr uns, er gehört der Ewigkeit", so Obama. Mandela habe mehr erreicht, als man von irgendeinem Mann erwarten könne, "wir verlieren einen der einflussreichsten, mutigsten und zutiefst guten Menschen".

Der britische Premierminister David Cameron erklärte auf dem Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter, dass "ein großes Licht in der Welt erloschen" sei. "Nelson Mandela war ein Held unserer Zeit", schrieb Cameron. Die Flaggen vor der Residenz des Premierminister in der Downing Street Nr. 10 würden auf Halbmast gesetzt.

Bundespräsident Heinz Fischer hat den verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden als "Lichtgestalt der Menschlichkeit, der Weisheit und Toleranz" gewürdigt. Südafrika verdanke seinen weitgehend friedlichen Weg in das 21. Jahrhundert "in erster Linie der Klugheit und Glaubwürdigkeit von Nelson Mandela", teilte Fischer am Freitag in einer Aussendung mit.

Für Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger reißt der Tod Mandelas "eine tiefe Lücke." Nelson Mandela hat mit seinem unerschrockenem Eintreten für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung Generationen inspiriert und Mut gegeben, erklärte Spindelegger gegenüber der APA. "Die Welt verliert mit Mandela eine der charismatischen und beeindruckendsten Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnten, die bereits zu Lebzeiten zur Legende wurde", so der Vizekanzler.

Auch im Netz nahmen die Menschen großen Anteil:

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