Politik | Ausland
28.11.2017

Russland: Nordkoreas Raketentest ist Provokation

Das vermeldet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Laut dem US-Verteidigungsministerium soll es sich um eine Interkontinental-Rakete gehandelt haben.

Die russische Staatsführung hat nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas zur Ruhe aufgerufen. "Es gibt keinen Zweifel, das ist ein provokanter Schritt", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau. Das könne zu weiteren Spannungen führen und eine Lösung des Konflikts verzögern. "Wir hoffen, dass es allen Seiten gelingt, Zurückhaltung zu bewahren." Das sei nötig, um eine Katastrophe in der Region zu verhindern, sagte Peskow nach Angaben der Agentur Tass.

China hat sich besorgt über Nordkoreas neuen Raketentest gezeigt und Nordkorea und die USA zu Verhandlungen aufgerufen. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, äußerte am Mittwoch in Peking "große Sorge" über den Test. Sein Land hoffe, dass alle Beteiligten sich um eine "friedliche Beilegung" des Konflikts bemühten, da es keine militärische Lösung geben könne.

Der Ministeriumssprecher bekräftigte Chinas Vorschlag, dass Nordkorea seine Waffentests einstellen solle und die USA im Gegenzug ihre Militärmanöver in der Region aussetzen sollten.

Nordkorea sieht USA in Reichweite

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erfolgreich eine Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-15 getestet, mit der erstmals das gesamte Gebiet der USA in Reichweite seiner Atomwaffen liegen soll. Die "gesamten Kontinental-USA" lägen nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen, hieß es in einer am Mittwoch im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung. Nordkorea habe damit sein "historisches Ziel" erreicht, eine Atommacht zu werden.

Die USA und Japan widersprachen der Darstellung Nordkoreas, dass der Raketentest erfolgreich verlaufen sei: Nach US-Erkenntnissen stürzte die Rakete etwa tausend Kilometer vom Startort entfernt ins Meer und bedeutete keine Gefahr für Nordamerika. Experten zufolge handelte es sich aber um eine besonders starke Rakete mit großer Reichweite.Mit bisherigen Raketen hatte Nordkorea allenfalls den dünn besiedelten US-Bundesstaat Alaska erreichen können.

Trump telefonierte mit Abe

Im Ausland löste der Raketentest scharfe Kritik und die Sorge vor einer weiteren Eskalation aus. US-Präsident Donald Trump und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe warnten die nordkoreanische Führung, durch die fortgesetzten Raketentests die eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Nach einem Telefonat veröffentlichten die beiden Politiker eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es: "Die Provokationen des nordkoreanischen Regimes untergraben seine eigene Sicherheit und treiben seine Isolation in der internationalen Gemeinschaft voran."

Trump telefonierte auch mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in. Moon warnte eindringlich vor einer weiteren Eskalation durch Nordkorea oder die USA. "Die Situation könnte außer Kontrolle geraten", sagte er in Seoul. "Wir müssen das Szenario vermeiden, in dem der Norden die Lage falsch einschätzt und uns mit Atomwaffen bedroht oder in dem die USA einen Präventivschlag erwägen."

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf Nordkoreas Regierung vor, die internationale Sicherheit zu bedrohen. Es sei nun "wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen", erklärte ihr Sprecher Steffen Seibert.

"Klarer Verstoß gegen UN-Resolution"

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel verurteilte den jüngsten Raketentest Nordkoreas als "rücksichtsloses Verhalten" und "enorme Gefahr" für die internationale Sicherheit. Nordkorea müsse sich an die bestehenden Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats halten und sein Raketen- und Atomprogramm umgehend einstellen. Er kündigte noch für Mittwoch an, den nordkoreanischen Botschafter ins Auswärtige Amt zu zitieren, um gegen den Raketentest zu protestieren.

Auch das Schweizer Außenministerium verurteilte den neusten Raketentest Nordkoreas scharf. Die Schweiz bleibe weiterhin offen für Gesuche um Vermittlung in dem Konflikt, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Mittwoch mit. Eine Lösung in der Nordkorea-Krise könne nur mit Dialog und einem diplomatischen Prozess gefunden werden. Der neue Raketentest Nordkoreas stelle eine Gefahr für internationalen Frieden und Sicherheit dar, schreibt das EDA weiter. Zudem verstoße er gegen mehrere UNO-Resolutionen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres bezeichnete den Raketentest als "klaren Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats" und warnte Nordkorea vor "weiteren destabilisierenden Schritten". Der Test wird am Mittwoch den UN-Sicherheitsrat beschäftigen.

Bereits im Juli hatte Nordkorea zwei Interkontinentalraketen getestet. Eine von ihnen könnte nach Einschätzung von Experten theoretisch auch den US-Bundesstaat Alaska erreichen.

Die am Dienstag getestete Rakete hat möglicherweise eine noch größere Reichweite. Zwar stürzte sie in tausend Kilometern Entfernung vom Startort ins Meer ab, doch hatte sie laut US-Raketenexperten eine außergewöhnlich hohe Flugbahn, die auf eine Reichweite von 13.000 Kilometern hindeute. Damit wären alle US-Metropolen erreichbar. Nach nordkoreanischen Angaben erreichte die Rakete eine Flughöhe von 4.475 Kilometern.

Technische Fähigkeiten angezweifelt

Experten zweifeln allerdings daran, dass Nordkorea eine solche Rakete mit einem Atomsprengstoff bestücken und diesen auf den amerikanischen Kontinent transportieren könne. Nordkoreas Staatsmedien hoben am Mittwoch hervor, es habe sich um die "stärkste Interkontinentalrakete" gehandelt, die Nordkorea jemals entwickelt habe. Die Rakete vom Typ Hwasong-15 könne mit einem großen Sprengkopf bestückt werden.

Nordkorea unterhält trotz umfassender Sanktionen seit Jahren ein Atomwaffenprogramm. Seit 2006 hat das Land insgesamt sechs Atomwaffentests vorgenommen, davon den bisher stärksten im September. Am 15. September erfolgte auch der bisher letzte Raketentest.

Die US-Regierung drohte wegen der Tests wiederholt mit einem militärischen Vorgehen gegen Pjöngjang. Bei seinem ersten Auftritt vor der UNO im September drohte US-Präsident Trump sogar mit der "völligen Zerstörung" Nordkoreas.