USA
02/25/2017

Muslima, die im Weißen Haus tätig war, packt gegen Donald Trump aus

Rumana Ahmed war die einzige Kopftuchträgerin. Unter dem neuen US-Präsidenten schmiss sie hin.

von Walter Friedl

Als der neue US-Präsident Donald Trump am 20. Jänner ins Weiße Haus einzog, wollte sie eigentlich bleiben. Die Motivation der kopftuchtragenden Muslima: Dem Staatschef und seinen Mitarbeitern einen "nuancierten Blick auf den Islam" zu geben, wie Rumana Ahmed jetzt in dem Magazin The Atlantic schreibt. Doch nach nur wenigen Tagen warf sie entnervt das Handtuch und kündigte.

"Es ist falsch"

Unmittelbarer Anlass war das Einreisedekret Trumps, mit dem er Bürgern aus sieben muslimisch dominierten Ländern den US-Zutritt verweigern wollte – Gerichte hoben später die Verfügung auf. "Wenn man die nationale Sicherheit in die Hände von Leuten legt, die denken, dass Amerikas Vielfalt eine Schwäche ist, ist das gefährlich. Es ist falsch", empört sich die Frau. Sie könne nicht für eine Regierung arbeiten, die Menschen wie sie nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung wahrnehme.

Doch bereits davor seien ihr die neuen Mitarbeiter im Weißen Haus mit "kalter Überraschtheit" begegnet. Es habe nur "männliche Eintönigkeit" gegeben, alles sei "verstörend" gewesen – und chaotisch, wie auch ein Kollege konstatiert habe, der bereits seit Präsident Ronald Reagan im US-Machtzentrum tätig ist. Wichtige Entscheidungen würden von wenigen Personen getroffen werden, verdienstvolle Mitarbeiter nicht kontaktiert, viele von ihnen seien frustriert. Und dann wörtlich: "Es gab keine Struktur oder klare Führung. Die Flure waren gespenstisch ruhig."

Rumana Ahmed war zuletzt im Team des stellvertretenden Präsidenten-Beraters für nationale Sicherheit und strategische Kommunikation, Ben Rhodes. Nach Praktika im Weißen Haus während ihres Studiums erhielt sie dort 2011 eine fixe Stelle.

Begeistert von Obama

Dabei hatte sie früher mit Politik gar nichts am Hut. Denn nach den Anschlägen des 11. September 2001 wurde die damalige Schülerin von Klassenkollegen als Terroristin beschimpft.

Erst als Barack Obama 2008 zum neuen Staatschef gewählt wurde, in seinen Reden von Hoffnung und Wandel sprach, wurde auch in ihr das Feuer entfacht. Rumana Ahmed, deren Eltern 1978 aus Bangladesch kamen, wollte unbedingt für diese Regierung arbeiten, ein Symbol sein für die Vielfalt im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten".

Ihr letzter Chef im Weißen Haus, Ben Rhodes, über die engagierte Frau, die seit ihrem zwölften Lebensjahr freiwillig das Kopftuch trägt: Sie sei immer ein "Beispiel für junge Muslime gewesen, die sich über ihren Platz in Amerika Gedanken machen".

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