Moussa: "Wandel in Libyen ist Realität"

Der aussichtsreiche ägyptische Präsidentschaftskandidat Amr Moussa im Interview über die Lage in Libyen, Syrien und seine Reformpläne für Ägypten.

Der ägyptische Präsidentschaftskandidat Amr Moussa hielt beim Forum Alpbach die Eröffnungsrede. Der KURIER traf ihn im Bergdorf zum Interview. Seine Botschaft: "Change, Change, Change für Ägypten. Ohne Reformen und grundlegenden Wandel kommen wir nicht weiter."

KURIER: Neueste Umfragen sehen Sie im Präsidenten-Rennen ganz vorne. Was ist Ihre Vision für Ägypten?
Amr Moussa:
Ich habe ein Motto: Ägypten neu aufbauen. Folgende Kriterien liegen dem zugrunde: Demokratie, das heißt Gewaltenteilung, Einhaltung der Menschenrechte, Respekt vor der Freiheit des Einzelnen, keine Korruption. Dazu Reformen in Wirtschaft- und Sozialpolitik.

Warum sind Sie besser als andere Kandidaten?
Ich kann mich nicht selbst loben, aber ich lebe in Ägypten, ich lebe mit den Menschen. Die Leute fühlen, dass ich einer von ihnen bin. Es ist wichtig, dass sie wissen, dass ich sie und ihre Anliegen verstehe, sie schätze und weiß, was sie brauchen.

Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie hätten keinen Kontakt zu den Jungen?
Ich bin auf ihrer Seite und weiß, dass es soziale Reformen geben muss, Bildung, Ausbildung und den Kampf gegen Arbeitslosigkeit.

Warum geht in Ägypten sieben Monate nach der Revolution nichts weiter?
Aufgrund des katastrophalen Missmanagements des alten Regimes. Es war nur auf Machterhalt ausgerichtet, das sieht man ja auch daran, dass Mubarak seinen Sohn Gamal zum Präsidentschaftskandidaten machen wollte. Die Revolution, die wir gemacht haben, war gegen das alte System gerichtet.

Wie wird es Ihrer Ansicht nach in Libyen weitergehen?
Der Wandel in Libyen ist Realität. Wir erleben die letzten Tage des Widerstands.

Sie kennen Gaddafi, was wissen Sie über ihn?
Nur so viel: Die Gaddafi-Ära ist zu Ende.

Was geschieht in Syrien?
Auch hier ist der Umbruch nur noch eine Frage der Zeit. Präsident Assad und sein Regime müssen das realisieren. Die blutige Atmosphäre kann nicht länger anhalten.

Werden die Muslim-Brüder und andere islamistische Gruppen die Parlamentswahl in Ägypten gewinnen?
Nein, keine diese Parteien wird die Mehrheit bekommen. Wenn wir uns für Demokratie entscheiden, dann müssen wir aber Demokratie auch anwenden. Parteien auszuschließen wäre falsch und unmoralisch. Sie treten an, aber ich glaube nicht, dass sie gewinnen werden.

Sind Demokratie und Islam kompatibel?
Warum nicht? Beide können zusammenleben und aufeinander hören. Der Islam ist kein Widerspruch zur Demokratie und umgekehrt.

Sie sind bekannt für Ihre Israel-kritische Haltung. Soll der Friedensvertrag mit Israel geändert werden?
Die Unzufriedenheit der Ägypter mit der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern ist groß. Diese Unzufriedenheit teilen auch andere arabische Länder, ich würde sagen, Länder in der ganzen Welt. Israel fehlt es an Sensibilität gegenüber dem palästinensischen Volk. Seine Politik hängt von der Unterstützung bestimmter Lobbys ab, das ist eine sehr kurzfristige Politik. Für Israel wird es unbequem, den Konflikt fortzusetzen, ohne das Problem anzupacken.

Die Palästinenser wollen in der UN-Generalversammlung die Anerkennung Palästinas als unabhängiger Staat.
Sie haben recht, vor die UNO zu gehen, um ihr Anliegen durchzubringen. Ich halte das für einen politischen und friedlichen Ansatz. Warum sollen sie warten, warum sollen sie länger mit einer Partei verhandeln, die keinen Frieden will?

Die EU ist sehr mit sich beschäftigt. Erwarten Sie noch irgendetwas von Europa?
Die Rolle der EU liegt auf der ökonomischen Seite, mehr als auf der politischen. Wir brauchen dringend ein Hilfspaket - für Ägypten und auch für Tunesien.

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(kurier / Margaretha Kopeinig aus Alpbach) Erstellt am
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