Politik | Ausland
03.10.2017

Mitten im Irak-Chaos stirbt Zentralfigur

Dschalal Talabani, Staatspräsident und Kurdenführer, erlag den Folgen eines Schlaganfalles.

Dschalal Talabani ist tot – und mit ihm eine Person, die kaum wie sonst jemand die Wirren des Irak im Zeitraum eines halben Jahrhunderts verkörperte. Er war Staatsmann, Machtspieler, Rebell, Parteichef (PUK) für die kurdische Sache im Irak. Am Dienstag starb Talabani 84-jährig in einem Krankenhaus in Berlin. Seit einem Schlaganfall 2012 hatte er sich immer wieder zu Behandlungen dort aufgehalten.

Zuletzt war Talabani Staatspräsident des Irak. Zwischen 2005 und 2014 übte er dieses Amt als erste Person nicht arabischer Abstammung aus. Sein Tod kommt gerade in Zeiten, da sein langjähriger Rivale, zwischenzeitlicher Verbündeter, letztlich aber doch Gegenspieler Massoud Barzani die autonome Region Kurdistan zum eigenständigen Staat machen will.

Dass die Wahl eines irakischen Präsidenten in der Krisenzeit 2005 auf Talabani fiel, ist durchaus seiner einenden Rolle zu schulden. Aber wohl auch seiner Kenntnis um die Dynamiken in der Region. Sein Werdegang war einer in wechselnden Allianzen und Rivalitäten mit fast allen Spielern in der Region. Als von den USA gestützter Präsident war er es dann, der zwar eine pro-amerikanische Linie vertrat, zugleich aber als bekennender Sozialist es verweigerte, das Todesurteil gegen Saddam Hussein zu unterschreiben. Und auch trotz seiner angeschlagenen Gesundheit hatte er nach wie vor eine Basis in den kurdischen Gebieten des Nordirak.

Kurden wollen wählen

Heute steht der Irak vor einem neuen schwerwiegenden Konflikt um die Kurden. Wie der TV-Sender Rudaw berichtet, wollen die Kurden nach dem Referendum über die Unabhängigkeit nun auch demnächst Wahlen abhalten. Als Termin wurde der 1. November genannt. Die Wahlen sind ein an sich logischer Schritt, nachdem die Amtszeit des amtierenden Präsidenten der autonomen Region, Massoud Barzani, 2015 ausgelaufen war.

Dabei sind die Spannungen in der Region derzeit massiv. Irakische und iranische Truppen halten im Iran an der Grenze zu kurdischen Gebieten im Irak Manöver ab. Ankara drohte mit verschärften Sanktionen gegen Erbil.